Die erste Runde der deutsch-jugoslawischen Wirtschafts Verhandlungen hat am 18. Juni in Belgrad begonnen. Die Besprechungen werden langwierig sein, da die Verhandlungspartner nicht nur über den Warenaustausch sprechen. Auch über Fragen des Güterumschlags und der Tarife, der Gewährung von Investitionskrediten, ja selbst über die Beschäftigung jugoslawischer Gastarbeiter in der Bundesrepublik wird man die Meinungen austauschen.

In Bonn und Belgrad besteht Einmütigkeit darüber, daß der deutsch-jugoslawische Handelsvertrag aus dem Jahre 1952 völlig unzureichend ist. Er trägt nicht mehr der jugoslawischen Wirtschaftsstruktur Rechnung, die sich in den letzten elf Jahren geändert hat. Deshalb soll als wichtigster Punkt zunächst über eine Anpassung des alten Handelsvertrages an die derzeitigen Bedürfnisse beraten werden.

Die Bundesrepublik war lange Zeit der stärkste Handelspartner Jugoslawiens, wurde aber inzwischen durch Italien überholt. Von deutscher Seite war man in den letzten Jahren vor allem deshalb gegen eine Ausweitung des Jugoslawienhandels, weil Belgrads Bemühungen um eine höhere Ausfuhr nach der Bundesrepublik lange Zeit nicht erfolgreich waren.

Im vergangenen Jahr hat jedoch Jugoslawien erstmalig seine Ausfuhr in die Bundesrepublik wesentlich steigern können: um 8.4,2 Mill. Mark gegenüber 1961, so daß jetzt tatsächlich eine veränderte Situation eingetreten ist. Dennoch blieb die deutsch-jugoslawische Handelsbilanz unausgeglichen. Belgrad hat noch 88,9 Mill. Mark Schulden.

Jugoslawien wird nun zweifellos auch 1963 versuchen, seine Export-Zuwachsrate weiter zu vergrößern. Aber es wird sich bei den Verhandlungen auch um die Verlängerung der Kreditrückzahlungsfristen und um Investitionskredite bemühen. Mit einem Entgegenkommen Bonns dürfte Jugoslawien in diesen Fragen rechnen können.

Anders verhält es sich jedoch mit dem jugoslawischen Ersuchen an die Bundesregierung, sie möge ein Wiedergutmachungsabkommen mit Belgrad nach dem Muster des Vertrages mit Israel abschließen. Die Jugoslawen gehen hier von der Voraussetzung aus, daß das, was für Israel billig war, für Jugoslawien recht sei. Bonn unterhält zwar auch zu Israel keine diplomatischen Beziehungen, aber der Staat Israel hat das Ostberliner Regime weder diplomatisch anerkannt noch moralisch unterstützt.

Versuche, das Verhältnis zwischen Bonn und Belgrad zu normalisieren, sind bisher immer daran gescheitert, daß Jugoslawien nicht bereit war, seine Beziehungen zu Ostberlin einfrieren zu lassen. H. L.