Von Otto F. Beer

Hoch schlagen in diesen Tagen die Wogen des Habsburger Konflikts in Österreich. Wenn es dabei auch keineswegs um eine Restauration geht, sondern einfach um das Recht Otto Habsburgs, sich in Österreich niederzulassen, nachdem er die vorschriftsmäßige Verzichterklärung abgegeben hat, löste doch der zustimmende Spruch des Verwaltungsgerichtshofes Reaktionen aus, die rational kaum zu fassen sind und einem Beobachter, der mit der winkeligen Vertracktheit der österreichischen Politik nicht vertraut ist, kaum richtig erklärt werden können. In dieser Situation schenkte der Himmel den Österreichern das, was sie am liebsten haben: eine Opernkrise.

Oder vielmehr deren Lösung. Von dem "Karajan-Alarm in Wien" war kürzlich an dieser Stelle die Rede – auch davon, daß zwar jeder Branchenkundige Egon Hilbert für den rechten Mann hielt, man sich aber nur schwer dazu entschließen könne, diesen ebenso dynamischen wie unbequemen Opernfanatiker ernsthaft ins Gespräch zu bringen. Die Entscheidung fiel dann so plötzlich, daß selbst die Unterrichtsverwaltung über die rasche Gangart ihres Ministers völlig verblüfft war.

Die Kombination Karajan–Hilbert drängte Habsburg von den Titelseiten, und wenige Tage später erfuhren die Wiener von dem ersten Wunder, das diese Zusammenarbeit gezeitigt hatte: Karajan würde, nachdem er sieben Jahre ohne Vertrag die Oper geleitet hatte, nunmehr jenes so lange hinausgeschobene Dokument unterzeichnen, das ihn für drei Jahre an Wien binden sollte.

So gingen die Wiener Festwochen 1963 ungemein spektakulär zu Ende. Als Egon Hilbert vor einigen Jahren die Leitung des österreichischen Kulturinstituts in Rom niederlegte, tat er dies, um in Wien Intendant der Festspielwochen zu werden. Diese bereits ein wenig schläfrig gewordene Institution bekam unter seiner Führung mächtigen Auftrieb und lebendige Initiative. Das Sprechtheater, zuvor ein wenig zufällig ins Festwochenprogramm gestellt, wurde jeweils auf eine bestimmte Devise festgelegt, wie etwa das Thema der Freiheit in der dramatischen Dichtung oder (im Nestroy-Jahr) das europäische Volkstheater. Diesmal sollten Ur- und Erstaufführungen das Profil bestimmen. Die Wiener Bühnen, ansonsten eher der Devise "Am besten nichts Neues" verpflichtet, bemühten sich also, teils nolens, teils volens, dem Schlachtruf des Festwochenintendanten gerecht zu werden. Sehr munter ging es dabei allerdings nicht zu.