Die deutschen Studentenzeitungen sind, besser als ihr Ruf

Von Horst Breier

Hamburg

In dieser Woche tagten in Hamburg Studentenredakteure aus 28 Ländern. Das Hauptthema ihres Kongresses: Pressefreiheit und Studentenzeitungen. Die Probleme der studentischen Redakteure in den Ländern der freien Welt gleichen sich, stellte man fest. Kaum ein Redakteur, der nicht von Zusammenstößen mit den Regierenden und „Konformisten“ seines Landes zu berichten wußte. Eine typische Episode des Kongresses: Aus Griechenland kam neben den geladenen Delegierten der Studentenzeitungen eine von der Regierung geschickte Abordnung. Die Veranstalter wiesen sie aus dem Konferenzsaal. Unser Mitarbeiter nahm den Hamburger Kongreß zum Anlaß, die Situation der Studentenpresse in der Bundesrepublik zu untersuchen. Dies sind seine Ergebnisse:

„Klein, verwachsen und halslos, auf der Bank, die an der Haltestelle der Vorortbahn steht. So halslos, daß sein Kopf zwischen die Höcker der Schultern gezogen ist, Ohr und häutige Kinnwamme sich lappig über seinen Blusenkragen legen. Er schaut mit verkniffenen Augen gegen das Licht, als der Kaplan herkommt, die Mittagssonne im Nacken.“– „Das Paradies ist nicht von dieser Welt“, schwadroniert der Kaplan und löst damit beim Halslosen Assoziationen aus: „Da muß Gott dem Halslosen verzeihen, daß der den Rauch seiner Zigarette ohne zu atmen in den Lungen behält und unter seinen herabgefallenen Lidern dieses wahre Paradies aufsteigen sieht, das kühl und dunkel ist wie ein Beichtstuhl, in dem eine von diesen jungen Frauen freiwillig ihre Brüste bloßlegt und dann den Rock hochschlägt, damit er, der Halslose, mit seinen kantigen, mageren Händen ganz leicht... Das wird Gott dem Halslosen verzeihen müssen.“

„Verdorbene Phantasie“

Starker Tobak, gewiß! Es handelt sich um die berühmt-berüchtigte „Paradiesgeschichte“, die von der Heidelberger Studentenzeitschrift forum academicum – im redaktionellen Vorspann deutlich als „literarisches Experiment“ deklariert – 1959 veröffentlicht wurde. Bald darauf stellten denn auch die Heidelberger und Mannheimer Rektoren und Senate gemeinsam fest: „Der fragliche Artikel ist inhaltlich ein Produkt einer fehlgeleiteten, verdorbenen Phantasie. Er verletzt aber nicht nur das Anstandsgefühl, sondern stellt eine taktlose Verächtlichmachung des katholischen Beichtsakramentes dar, die nur eindeutig abgelehnt werden kann.“