Der Vereinskassierer des 1. Fußball-Clubs St. Pauli sah schwarz. Die Braunhosen aus dem Hamburger Vergnügungsviertel hatten es nicht geschafft, genügend Bälle ins gegnerische Tor zu kicken, um vom DFB die Bundesligareife bescheinigt zu bekommen. Die Fußballarena des „1. FC“ haben die IGA-Gärtner mit Blümchen bepflanzt, und auf dem neuen Platz, einem Geschenk der Hansestadt für den Gartenbauausstellungs-Geschädigten, steht seit zwei Jahren das Wasser, das so reichlich vom Hamburger Himmel fließt. Er ist vorerst nicht bespielbar. Die ortsgebundene Anhängerschaft folgte den St. Paulianern nicht ins wechselnde Exil. Kurz: Der Vereinskassierer hatte guten Grund, schwarz in die Zukunft des traditionsreichen Klubs vom Millerntor zu sehen.

Bis die Vereinsleitung den Fußballtrainer Westphal engagierte, der bis dato in der ehemaligen deutschen Kolonie Togo den Fußballsport zu entwickeln geholfen hatte. Der Trainer kam mit einem Gastgeschenk an die, Elbe: Er brachte einen echten Togolesen nach St. Pauli. Die Vereinsführung informierte die „Bild“-Zeitung. Ein Publicity-Coup, der selbst die arrivierten Sportkameraden der Bundesligavereine vor Neid erblassen lassen konnte, begann. Exklusiv berichtete „Bild“ bildreich – direkt aus Togo – über den zukünftigen Fußballstar unter den blonden St. Paulianern.

Die Vereinsführung entschloß sich zu dem Wagnis, die Perle die dunkelbraune St.-Pauli-Hose über die dunkleren Beine streifen zu lassen. Zwarwar Trainer Westphal noch skeptisch, gab zu bedenken, daß der Togolese das Fußballspielen daheim mit Apfelsinen gelernt habe und von europäischer Punktspielhärte nichts wisse, zwar weigerte sich die Neuerwerbung aus Afrika zunächst standhaft, stollenbewehrte europäische Fußballstiefel anzuziehen und machte bei einem Probespiel weite Bogen um die robust dem Leder nachstürmenden weißen Männer. „Bild“ aber ließ nicht locker. Die St.-Pauli-Stürmer kommentierten: „Laßt ihn man. Er braucht Zeit“ und „Wird schon!“

Und nach dem ersten Punktspiel konnte „Bild“ feststellen: „Der Junge ist auf dem besten Wege, Hamburgs Mann des Jahres zu werden.“ An diesem Freudentag gelang es „Bild“, auch das letzte Geheimnis um den schwarzen St. Paulianer zu lüften. Seine Rechercheure hatten den Namen der „Schwarzen Perle“ festgestellt, über den sich die Sportredaktion und Hamburgs Fußballvolk vier Wochen lang die Köpfe zerbrochen hatten: „Apokalypse sagen die Intellektuellen oder Eukalyptus sagen die normalen St. Paulianer. ‚Bild‘ ist in der glücklichen Lage, alle Unklarheiten endgültig beseitigen zu können. Der neue Star heißt: Kokou Guy Acolatse.“

Der Vereinskassierer sieht nun gern schwarz. Beim ersten Punktspiel mit Kokou gegen einen schwachen Gegner registrierte er trotz strömenden Regens ein Vielfaches der Zuschauermenge, die in der vergangenen Spielzeit bei ähnlichen Gelegenheiten gezählt werden konnten. Am vergangenen Sonntag schoß Kokou nun sein erstes Punktspieltor. Im übrigen waren seine Leistungen höchst mittelmäßig. Kokou entschuldigte sich: „Bei Regen nix gutt.“ H.