Die Möglichkeit, Erdbeben vorauszusagen, ist nähergerückt durch eine Entdeckung des sowjetischen Geologen V. I. Keilis-Borok. Des russische Gelehrte fand heraus, daß die Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer bestimmten Art von seismischen Wellen, der sogenannten Scherwellen, verlangsamt wird, wenn sie ein Gestein durchlaufen, das unter starker mechanischer Spannung steht.

Aus Geschwindigkeitsänderungen der Scherwellen, die von den häufig auftretenden, meist nur seismographisch feststellbaren kleineren Beben stammen, müßte man daher ablesen können, wo sich in der Erdkruste die Energie gefährlich aufstaut. In einem Gebiet, in dem die Spannungen in der Erdkruste zunehmen, ist mit einem Nachgeben des Gesteins, das heißt mit einem Erdbeben zu rechnen.

Professor Keilis-Borok, der am geophysikalischen Institut in Moskau tätig ist, gilt als einer der bedeutendsten Spezialisten für die Auswertung seismischer Daten mit Hilfe elektronischer Rechengeräte. Der Zusammenhang zwischen der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Bebenwellen und dem Spannungszustand des Bodens ergab sich, wie der russische Wissenschaftler am Dienstag letzter Woche bei einer Konferenz in Los Angeles erklärte, bei der elektronischen Analyse von Seismogrammen einer großen Zahl von Erdbebenstationen in Zentralasien.

Zur Lokalisierung des Gebietes, in dem die Verlangsamung von Scherwellen stattfindet und folglich erhöhte Erdbebengefahr besteht, wäre ein umfangreiches System von seismischen Beobachtungsstationen erforderlich. Die von diesen Stationen gelieferten Daten müßten von Elektronenrechnern verarbeitet werden. Bislang ist es aber Keilis-Borok noch nicht gelungen, ein Rechenprogramm zur Bewältigung dieser Aufgabe auszuarbeiten.

Regenmachen billiger

Eine einfache organische Substanz, Metaldehyd, läßt sich statt des bislang verwendeten teuren Silberjodids zum Regenmachen verwenden. Dies teilt der japanische Chemiker Norihiko Fukuta von der Nagoya Universität in der Zeitschrift „Nature“ mit. Im Laboratorium konnte Fukuta mit Metaldehyd bei einer Temperatur von minus 1/2 Grad Celsius Eiskristalle in einer künstlich hergestellten Höhenluft erzeugen. Silberjodid dagegen regt die Bildung von Eiskristallen – aus denen beim Herabfallen auf die Erde Regentropfen entstehen – nur bei einer Temperatur unter minus 4 Grad an. Außerdem zerfällt es unter dem Einfluß des Sonnenlichtes, während Metaldehyd, das überdies mehr Eiskristalle pro Gramm erzeugt, stabil bleibt.

Dem Fett zu Leibe gerückt