Die Gesellschaft findet sich unverdrossen ab mit den Erkenntnissen, zu denen die Literatur sie nötigen möchte. Sie lebt trotz ihrer und ihnen genau entgegen. Heinrich Mann

Deutsches Theater-Theater

Wie weiland – es ist knapp zwei Jahre her – so mancher deutsche Theaterintendant Bert Brecht aus dem Spielplan verbannte, so scheint jetzt ein neues Theater ums deutsche Theater anzuheben: das Ostberliner „Deutsche Theater“, das mit Lessings „Minna von Barnhelm“ (sic!) in Frankfurt gastieren sollte, darf nicht. Die Frankfurter lehnten ab und begründeten das damit, daß keine Veranlassung bestehe, ein Theater aus Mitteldeutschland in Frankfurt spielen zu lassen, solange westdeutsche Bühnen nicht in der DDR gastieren können. Mit welch untrüglichem Instinkt hierzulande der Gegenseite doch Argumente geliefert werden!

Baldwins „obszöner“ Bestseller

Der Beruf des Buchhändlers ist gefährlich – zumindest in den amerikanischen Südstaaten. In New Orleans wurden Frank P. Rossetter und George E. Deville, die Leiter der Doubleday-Buchhandlung am Ort, verhaftet und vorerst auf Ehrenwort wieder freigelassen. Sie hatten das Buch „Another Country“ des Negerschriftstellers James Baldwin verkauft, das ein Beamter der Staatsanwaltschaft „das schmutzigste und pornographischste Buch, das ich je gelesen habe“ nannte. Die beiden Buchhändler werden sich vor Gericht verantworten müssen. Für den Verkauf eines Buches, von dem in Amerika bereits mehr als eine Million Exemplare unter den Leuten sind.

Konkurrenz für die Frankfurter Buchmesse

„Publisher’s Weekly“, die Zeitschrift des amerikanischen Buchhandels, veröffentlichte kürzlich einen Bericht ihres Londoner Korrespondenten Peter H. Rosenwald, der eine Konkurrenz für die Frankfurter Buchmesse ankündigte: im Juni 1964 soll erstmals in Earls Court, Londons größter Ausstellungshalle, eine Welt-Buchmesse stattfinden. Diese Buchschau soll „den Trubel auf der Frankfurter Buchmesse vermindern und, meinen einige, sie vollständig als internationalen Handelsplatz ablösen“, schreibt Rosenwald. Die Veranstalter haben sich zu diesem Zweck bereits eine moderne Ausstellungs-Gestaltung vorschlagen lassen: Unter anderem sollen „do-it-yourself“-Bücher in einem als Werkstatt eingerichteten Stand und Kochbücher in einer Küche ausgelegt werden. Frage: wo könnte man Casanovas Memoiren anbieten?