Charlie gegen alle“ (USA; Cinema-Filmverleih): Die vorliegende Zusammenstellung enthält fünf Kurzfilme von und mit Charles Chaplin aus dem Jahre 1915, dem zweiten Jahr von Chaplins Filmtätigkeit. (Bisher boten die Anthologien „Lachen verboten“ und „Charlie Chaplins Lachparade“ erst einen Einblick in die Produktion der folgenden Jahre.) Der Film zeigt deutlich die Entwicklung Chaplins von der „Slapstick Comedy“ seines Lehrers Mack Sennett zu seinem persönlichen Stil. Noch regiert über lange Strecken der burleske Klamauk der Verfolgungsjagden und „Tortenschlachten“. Daneben trifft man aber bereits spezifische Chaplin-Gags an, so die komische Umfunktionierung von Objekten: Charlie handhabt, um eine Kuh zu melken, deren Schwanz wie einen Pumpenschwengel und benutzt die Zunge seines Partners zum Befeuchten einer Briefmarke – ein Witz, der noch im „Großen Diktator“ wiederkehrt. Der „Mythos Charlie“ erfährt seine erste Ausbildung, und im Wechselspielt mit ihm gleicht sich die abstrakt-konventionelle Welt des Burlesken der zeitgenössischen Realität an, als deren unversöhnlicher Widersacher Charlie auftritt. Der Zuschauer muß den schlechten Zustand der Kopie (die Negative sind verloren) und die um ein Drittel beschleunigte Vorführgeschwindigkeit in Kauf nehmen; beides fällt nicht immer leicht. Auch empfiehlt sich, den Ton – Nummernmusik und Verse von Heinz Erhardt – zu ignorieren.

„Erotica“ (Italien; Verleih: Columbia): 1. Der Junggeselle und die Ehefrau: er (Vittorio Gassman) verspricht sich ein preiswertes Abenteuer und ihr Liebe und Fürsorge; sie (Nadja Tiller), unversehens in Not geraten, will ihn beim Wort nehmen; er retiriert und fühlt sich durchschaut in seiner Miesigkeit. 2. Zwei moderne Mädchen: sie haben ihre eigenen Ansichten über das Schickliche; sie nehmen sich den Mann eher, als daß sie sich nehmen ließen, bestimmen Ort und Stunde und vergeben sich nichts dabei. 3. Die Professorengattin und die Lastwagenfahrer: sie (Lilli Palmer), vom Gatten (Bernhard Wicki) sexuell vernachlässigt, bezichtigt jene, sie vergewaltigt zu haben; der Gatte erkennt das Movens ihrer extravaganten Phantasien und schickt sich an, ihm Rechnung zu tragen. Drei teils ordentlich (Nr. 2), teils schwerfällig (Nr. 1 und 3) gefilmte Kurzgeschichten der Art, wie Moravia und Soldati (wirklich standen sie Pate bei 1 und 3) sie wöchentlich ausstoßen. Doch ihnen folgt ein brillantes Satyrspiel, eine stumme Pantomime von burlesker Komik und origineller Erfindung: 4. Der Soldat und die Witwe. Im Bahnabteil unter südlicher Sonne beim monotonen Rattern der Räder berennt er sie, erst beiläufig und tastend, dann, als Widerstand ausbleibt, dreist und dreister und durchaus bis zum Äußersten. Hauptdarsteller und Regisseur: Nico Manfredi. Ihn allein von den vier Debütanten muß man sich merken. pat