Das Gespenst der Dollarabwertung geht um

Von Willi Bongard

Die Rolle, die früher das Ungeheuer von Loch Ness in der sogenannten Saure-Gurken-Zeit spielte, scheint an den internationalen Devisen- und Goldmärkten der Dollar übernommen zu haben. Während das schottische Seeungeheuer jedoch mit der Zeit immer weniger ernst genommen wurde, ist das Gerede über den Dollar in Gefahr, für bare Münze gehalten zu werden.

Genau genommen ist es nicht der Dollar, an dem sich die Phantasie entzündet, sondern der Goldpreis. Den sieht die internationale Spekulation in ihren – kühnsten – Fieberträumen auf das Doppelte der offiziellen Parität von derzeit 35 Dollar je Feinunze steigen. Wie haben wir diese Träume zu deuten und wo haben sie ihren Ursprung?

Für den Laien, selbst den gebildeten, haben Währungsfragen etwas Mystisches. Währungssysteme sind ihm ein Buch mit sieben Siegeln, und die Rolle, die das Gold hierbei spielt, ist sogar unter Fachleuten umstritten. So hat selbst Lord Keynes, einer der großen Währungstheoretiker und -praktiker, mit gespielter Ahnungslosigkeit gemeint, daß es sinnlos sei, in Südafrika Löcher in die Erde zu bohren, um Gold herauszuholen, nur um es wieder in anderen Löchern – den Kellern der Zentralbanken – zu vergraben ...

Weder ist hier der Ort noch besteht ein ausreichender Anlaß, die auf dem Gold-Devisen-Standard fußende Währungsordnung der westlichen Welt ausführlich darzulegen. Es hieße der Spekulation zuviel Ehre antun, unseren Währungsmechanismus auseinanderzunehmen, um zu zeigen, wie er funktioniert bzw. daß er trotzdem – funktioniert. Dieses „Trotzdem“ hat vor allem für die Bedingungen zu gelten, unter denen der Dollar und das Pfund als die Leitwährungen der freien Welt seit nunmehr 30 Jahren an das gelbe Metall gebunden sind.

Diese Bedingungen aber gerade sind es, die von interessierter Seite, nicht zuletzt von südafrikanischen Goldproduzenten, beharrlich in Frage gestellt werden. Die Beharrlichkeit erklärt sich aus der einmaligen Chance, Spekulationsgewinne einzustreichen. Im Hintergrund winkt mit anderen Worten ein „Jahrhundertgeschäft“, das allzu vordergründig mit der Sorge um die amerikanische Zahlungsbilanz oder gar die „internationale Liquidität“ motiviert wird.