Das Unternehmen hat seinen Standort zwischen dem Kaufunger Wald und dem Meißner, etwa zwei Dutzend Kilometer östlich von Kassel und knapp fünfzehn Kilometer von der Zonengrenze entfernt in einem Ort, dessen Name so alt und dörflich klingt: Großalmerode. Dabei handelt es sich um eine Stadt, einen Luftkurort mit gut fünftausend Einwohnern sogar, in dem die Vereinigte Großalmeroder Thonwerke nun schon 75 Jahre zu Hause sind, wenn auch das Hauptwerk und die Verwaltung heute ihren Sitz im benachbarten Dorf Rommerode haben.

Traditionsgemäß schreibt man Thon noch mit th. Dabei ist die Geschäftspolitik der Gesellschaft sehr fortschrittlich. Das beweisen nicht nur der modern gestaltete, aufschlußreiche Geschäftsbericht sowie die soeben vorgelegte lehrreiche Jubiläumsschrift, sondern die unternehmerischen Entscheidungen des vergangenen Jahres.

Das rohstofforientierte, spezielle Produktionsprogramm wurde nach gründlichen Untersuchungen erweitert und auf ein zweites Bein gestellt. Nicht mehr allein von der Gewinnung des Tons, der Herstellung feuerfester Baustoffe sowie der Glasschmelzhafenfabrikation und dem Industrieofenbau – im Emaillierofenbereich hält das Unternehmen einen „Markt“ anteil von 60 bis 70 % – will das Unternehmen mit seinen etwa 500 Mitarbeitern leben. Die Ertragsfähigkeit soll nachhaltig durch die Eingliederung des Produktionszweiges der Kunststoffverarbeitung gestärkt werden. Damit sucht der Vorstand auch die Umsatzintensität des eingesetzten Kapitals, die bei der rohstofforientierten Fertigung niedrig ist, zu steigern. Auch krisenfester möchte die Gesellschaft auf diese Weise werden. Immerhin stieg der Exportanteil von 28,2 auf 32,1 %. Allein 60 % des Tons werden ausgeführt. Ein beachtlicher Teil davon wird auf Ostmärkte geliefert und nach Mitteldeutschland verkauft, das 1962 seine Bezüge zwar plötzlich einstellte, aber nun wieder regelmäßig bezieht.

Auch sonst ist das Unternehmen rührig, die Rezession auf dem Markt der feuerfesten Baustoffe (die Produktion im Bundesgebiet sank um 11 %), die mit der rückläufigen Konjunktur der Stahlindustrie einhergeht, durch den Ausbau von Tochtergesellschaften auszugleichen. (Der Umsatz sank von 14,2 auf 13,9 Mill. DM.) Mit Hilfe eines langfristigen Kredites aus öffentlichen französischen Mitteln wurde bei Straßburg eine Fabrik für Glasschmelzhäfen errichtet, die Ton aus Großalmerode abnimmt und an die Länder der EWG liefert, so daß sie heute bereits eine wesentliche Stütze der Grubenbetriebe an der Zonengrenze bildet. Im Ruhrgebiet wurde ein Feuerleichtsteinwerk (mit Kredithilfen des dortigen Landes) aufgebaut und in Hessen bei Bebra eine PLUS PLAN Kunststoff- und Verfahrenstechnik GmbH & Co. ins Leben gerufen, die vor allem Kunststofferzeugnisse für das Baugewerbe herstellt.

Die neuerrichteten Tochtergesellschaften haben naturgemäß Anlaufverluste hinnehmen müssen. Diese haben auch die Aufwandrechnung der Mutter mit 0,44 Mill. DM belastet, dafür aber – zusammen mit einem geringeren Betriebsergebnis – den Steueraufwand um 0,41 auf 1,14 Millionen DM gedrückt. Da die Personalkosten um 0,4 Mill. DM stiegen, wurde das „Betriebsergebnis“ trotz um 0,3 Mill. DM geringerer Abschreibungen „negativ“ und konnte nur durch die um 0,23 Mill. DM erhöhten sonstigen Erträge (aus Lizenzen) sowie die um 0,19 Mill. DM verminderten sonstigen Aufwendungen ausgeglichen werden. Wenn es dennoch erstmals zur Bildung von freien Rücklagen in Höhe von 0,8 Mill. DM gelangt hat, dann nur, weil stille Reserven in dieser Höhe beim Anlagevermögen aufgelöst wurden. Weil „die Angleichung der Handelsbilanz an die Steuerbilanz diese Zuschreibung erforderte“, heißt es dazu im Bericht Vom Bilanzbild her hatte das Unternehmer diese freiwillige Auflösung stiller Reserven nicht nötig. Die Kapitalstruktur hat sich bereits durch die Kapitalerhöhungen von 2,0 auf 6,0 Mill. DM sowie das Aufgeld von 2,1 (in die gesetzliche Reserve) beachtlich verbessert. Eine Million DM war zum Kurs von 308 von befreundeter privater Seite gezeichnet worden, während die übrigen Aktionäre die Papiere zu 124 % erwarben (Börsenkurs zur Zeit: etwa 246 %).

Das erhöhte Grundkapital, das verminderte Betriebsergebnis sowie die beträchtlichen Anlaufkosten der Tochtergesellschaften haben die Verwaltung bewogen, der Hauptversammlung arr 30. August eine um 2 auf 12 % gekürzte Dividende vorzuschlagen. W. W.