Die Werbung lügt nicht: Der VW 1500 bleibt nach wie vor der erste, 1,5-Liter-Wagen, der für einen Preis unter 6000 DM angeboten wurde – aber er ist nicht mehr der billigste seiner Klasse. Wie zu erwarten, hat Ford seinen Taunus 12 M auch mit einem größeren Motor 1500 ccm, 50 PS) ausgestattet und verlangt dafür 5600 Mark. Kurz vor der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt sind die Preise nun endlich in Bewegung gekommen, nach unten diesmal, wie es der scharfe Wettbewerb befielt.

Auch bei DKW hieß es: Herunter mit den Preisen. Da wird der auf Fll umgetaufte „Junior“-Nachfolger zu einem Preis angeboten, der dem VW 1200 und dem Opel-Kadett Konkurrenz machen kann. Und in der Mittelklasse, zu der der neue Typ F 102 wohl gerechnet werden muß, blieb man um zehn Mark unter der 7000er Grenze.

Werden noch weitere Preissenkungen folgen? Allein bei den drei Großen rollen täglich 8000 bis 9000 Wagen von den Montagebändern, die verkauft werden wollen – rund die Hälfte davon im Irland. Und wenn bei diesem Ansturm auf den Käufer neue Chromleisten nicht mehr ziehen, vielleicht versucht man es endlich – wieder mit einem niedrigeren Preis?

Es ist erst etwas mehr als ein Jahr her, daß die deutsche Automobilindustrie in die Klemme zu kommen schien, daß Preiserhöhungen in Deutschland mit Zollsenkungen für ausländische Wagen beantwortet wurden und die europäische Konkurrenz sich eine gute Chance auf dem deutschen Markt ausrechnete. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. In Frankreich sind die Autos teurer geworden, was sich teilweise auch auf den deutschen Preisschildern der Exportwagen aus dem Nachbarland niederschlug.

Für Spannung ist gesorgt in den letzten Tagen vor der großen Schau in Lack und Chrom und für Aufmerksamkeit beim Publikum. Denn noch dürften nicht alle Pfeile aus dem Köcher verschossen sein. H. M.