Der Kremlgewaltige hat bei seinem Besuch in Jugoslawien wenig Gegenliebe gefunden. Darüber können auch die wortreichsten Erklärungen und gegenseitigen Achtungsbezeugungen aus Belgrad nicht hinwegtäuschen. Marschall Tito denkt nicht daran, sich ins Schlepptau des COMECON nehmen zu lassen und seine wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber dem Ostblock preiszugeben. Er hat seine eigene Vorstellung davon, was seinem Land nützt.

Zur gleichen Zeit, als Chruschtschow in Jugoslawien eine Abfuhr erteilt wurde, klopfte ein Professor aus Belgrad an die Tür unserer Redaktionsstube. Seine Wißbegier galt Quellenmaterial zum Thema „Marketing“ und „Motivforschung“. Wir glaubten nicht recht zu hören. Seit wann man sich denn in Jugoslawien um die Motive der Verbraucher kümmere? Seit man, so gab uns der Professor zur Antwort, erkannt habe, daß man auf die Dauer nicht an den Wünschen der Verbraucher vorbeiproduzieren könne. Eine Erklärung, die – uns – so selbstverständlich scheinen mag, daß man ihren wahren Sensationsgehalt schon nicht mehr erfaßt.

Wen wundert’s noch, daß Tito dem Liebeswerben Chruschtschows widerstanden hat? Für Verbraucher-Motive hat man im COMECON – noch – keinen Platz. bon