Über den Nachrichtendienst der amerikanischen Gesellschaft für Krebsbekämpfung ließ der Direktor des biologischen Forschungslaboratoriums der Universität von Süd-Illinois, Dr. Carl C. Lindegren, bekanntgeben, daß er in Chromosomen, die gegeneinander „verrutscht“ sind, eine neue Quelle für Entwicklungsstörungen – vielleicht sogar für das maßlose Vermehrungsbedürfnis von Krebszellen – entdeckt hat.

Seit Jahren geben sich ein Dutzend Wissenschaftler seines Laboratoriums einer äußerst langweiligen Beschäftigung hin: Sie „kartographieren“ Chromatin. In immer gleichem Rhythmus abwechselnd mikroskopieren, „operieren“, kreuzen und züchten sie bestimmte Arten von Zellen, um herauszufinden, welche Gene an welchen Stellen der Chromosomen welche Eibeigenschaften bestimmen.

Am besten kartographiert sind die elf Chromosomen der Hefezellen. In ihnen haben Dr. Lindegren und seine Mitarbeiter zum erstenmal sogenannte „Affinitätszentren“ nachweisen kennen; Solange bestimmte Bezirke benachbarter Chromosomen dicht beieinanderliegen, verhilt sich die Zelle normal; aber wenn die Chromosomenfäden gegeneinander verschoben und die gutnachbarlichen Beziehungen gestört sind, kam die Zelle anfangen zu wuchern oder sich auf andere Weise abnormal verhalten.

In den Hefechromosomen hat die Lindegren-Gruppe bisher fünf verschiedene deutlich ausgeprägte Affinitätszentren nachweisen können, in denen sich bestimmte Gene benachbarter Chromosomen gesunder Zellen nach jeder Zellteilung immer wieder zusammenfinden. Auch im Chromatin von Mäusezellen wurden Affinitätszentren entdeckt, und Dr. Lindegren vermutet, daß derartige Nachbarschaftsbeziehungen auch von den Chromosomen anderer – wenn nicht aller – Lebewesen gepflegt werden. Zi.