Von der Ankündigung der Unilever N.V., Rotterdam, eine neue Stammaktie auf je drei alte Stammaktien auszugeben, sind die internationalen Börsen überrascht worden. Gratisaktien hat es zwar auch schon in früheren Jahren gegeben, ungewöhnlich war das Verhältnis 3 : 1, das selbst für holländische Verhältnisse erstaunlich ist. Kein Wunder, wenn die Kurse der Unilever-Aktie nach der Bekanntgabe der Gratisaktienausgabe gestiegen sind.

Nun sind Gratisaktien an sich noch kein Hausse-Moment, Entscheidend ist die Frage, welche Dividenden auf das aus Eigenmitteln aufgestockte Kapital künftig gezahlt werden können. Und auch hier liegt eine verbindliche Erklärung der Verwaltung vor: Die erwartende Gesamtdividende für 1963 auf das erhöhte Stammkapital wird nicht weniger als 18 % betragen. Für 1962 sind 21 % ausgeschüttet forden. An diesen Satz wird man natürlich für 1963 (nach der Kapitalaufstockung) nicht herankommen.

Die Gratisaktienausgabe stellt in der Praxis eine verdeckte Dividendenerhöhung dar, die sicherlich nicht vorgenommen worden wäre, wenn die Verwaltung Zweifel an der künftigen Ertragsentwicklung des Konzerns gehabt hätte, Daß diese Art der Ausschüttungserhöhung gegenüber der Aufstockung des Dividendenprozentsatzes vorzuziehen ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Hohe Dividendensätze wecken stets die Neidgefühle gewisser Schichten und werden dadurch zum Politikum. In Holland scheint man das besser zu erkennen als in der Bundesrepublik, wo man über die Ausgabe sogenannter Berichtigungsaktien neiderweckende Dividendensätze ebenfalls ermäßigen könnte, ohne dadurch die Aktionäre zu schädigen.

Zusammen mit der Ankündigung über die Verteilung einer Interimsdividende von 9 % hat die Unilever-Gruppe ihren Bericht über das I. Halbjahr 1963 veröffentlicht, der nicht nur über Umsätze (wie bei den deutschen Gesellschaften), sondern auch über die in der Berichtsteil erzielten Gewinne etwas aussagt. Danach beträgt der Gewinn nach Abzug der Steuern 289 Millionen holländische Gulden (hfl) gegenüber 261 Mill. hfl in der Vergleichszeit des Vorjahres. Im II. Halbjahr 1962 betrug der Gewinn 279 Mill. hfl. Da die Selbstkosten eine steigende Tendenz aufweisen, ist – so mahnt die holländische Verwaltung nicht damit zu rechnen, daß die Unilever-Gesamtergebnisse im II. Halbjahr 1963 gegenüber 1962 eine gleiche Verbesserung zeigen werden wie das I. Halbjahr.

Der gründliche Überblick, den der Gesamtkonzern über den bisherigen Verlauf des neuen Geschäftsjahres gibt, wird jetzt ergänzt durch den Geschäftsbericht für 1962 der deutschen Unilever-Gruppe, die nach dem Gesetz nicht zur Publizität verpflichtet wäre, es aber schon seit Jahren nicht unterläßt, der Öffentlichkeit einen Einblick in ihre weitverzweigten Konzerngeschäfte zu geben. Vorweg sei gesagt, daß die deutsche Gruppe 1962 einen konsolidierten Nettogewinn von 127,3 (126,6) Mill. DM erzielte, von dem 78,5 (75,3) Mill. DM als Interims-Dividende an die Muttergesellschaft vorgesehen waren. Zum Konzernergebnis wurde also nur unwesentlich stärker beigetragen als im Jahr zuvor. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die deutsche Unilever-Gruppe sich immer noch in einer Phase erheblicher Investitionsanstrengungen befindet. Die Anlagezugänge betrugen im Berichtsjahr 133,8 (95,4) Mill. DM; der Gesamtwert der ab 1962 eingeplanten Projekte beläuft sich auf 132 Mill. DM. Sie erstrecken sich auf nahezu alle Konzernbereiche.

Heraus hebt sich eine Anlage zur Herstellung von Derivaten von Fettsäuren mit 15,7 Mill. DM und die Ausweitung der Käsefabrikation in Kempten sowie der Neubau eines Schmelzkäsewerkes mit zusammen 11,1 Mill. DM. Die heben Investitionen deuten darauf hin, daß Unilever dem deutschen Markt mit seinen immer zahlungskräftiger werdenden Konsumenten eine besondere Rolle beimißt. Hier sieht man noch Reserven, wohl weniger im Margarinebereich (der Margarinekonsum war weiter rückläufig) als vielmehr auf dem Gebiet der hochwertigen Nahrungsmittel (tiefgekühlt) und der Körperpflegemittel, wo Unilever heute schon in manchen Zweigen eine marktbeeinflussende Stellung einnimmt.

Welche Verschiebungen sich innerhalb der Konzernumsätze ergeben, zeigt die Übersicht. Der Gesamtumsatz der Gruppe hat sich im Berichtsjahr auf 3,53 (3,44) Mrd. DM erhöht. Mit der Umsatzsteigerung hat sich auch – allerdings in geringerem Ausmaß – das Ergebnis verbessert. Mit 3,53 Mrd. DM Umsatz ist nicht nur der Rückschlag des Vorjahres ausgeglichen, sondern auch die bisherige Spitze (1961: 3,48 Mrd. DM) um einiges übertroffen worden.