Walther Weber:

„Die Schwindsucht des Geldes ZEIT Nr. 33

Gans gewiß wäre gegen Ihren Artikel nichts einzuwenden, wenn auch die Wirkung des Abkommens von Bretton Wood darin berücksichtigt worden war re. Ihr Artikel behandelt die Nationalwirtschaften und nationalen Währungen, als besäßen sie noch volle nationale Souveränität. Er berücksichtigt nicht, daß durch starre Wechselkurse eine Einheitswährung in verschiedener nationaler Erscheinungsform geschaffen wurde. Internationale Anpassungen können also nur noch über den Preis der Waren und der Löhne vollzogen werden. Inflation erscheint dann nur noch als Preisanpassung an das internationale Niveau. Inflation ist dann nicht mehr Diebstahl, sondern Selbstschutz.

Das letzte Jahrzehnt zeigt, daß es einer überbewerteten Währung gelingt, die halbe Welt aus- und aufzukaufen. So ist es in Südamerika und Kanada geschehen und geschah es bis jetzt in Europa. Für 21 Milliarden Dollar kauften die USA mehr zusammen als ihr Reichtum rechtfertigte. Die Welt ist für sie ja so billig! Der einzige und viel zu langsame Schutz gegen diesen Ausverkauf ist nationale Inflation. Sieht man allerdings, wie überbewertete Währung gen sich einen Vorteil verschaffen und effektive Werte anderer Nationen aufkaufen, dann, aber erst dann, wird Inflation wieder Diebstahl und zwar gigantischen, weltweiten Formats.

Der in Ihrer Tabelle gezeigte Verfall aller Währungen hat wieder seine Ursache in der gewiß ungewollten Wirkung des Abkommens von Bretton Woods. Hochpreisländer kaufen ganz natürlicherweise im Übermaß in Niedrigpreisländern und erzeugen dadurch in diesen Ländern eine übermäßige Konjunktur und damit auch Inflation. Es ist eitler Selbstbetrug, die deutsche und europäische Hochkonjunktur als eigene Tüchtigkeit oder EWG oder EFTA dafür zu preisen. Oberkonjunktur und Inflation haben einfach in der Preisdifferenz zwischen den USA und Europa ihre Ursache, Der übermäßige Einkauf in Europa hat natürlich für die USA Unterkonjunktur zur Folge und zwingt die USA zu redeflationären oder sogar inflationären Maßnahmen. Inflationsdruck also in Ländern der Oberkonjunktur und Inflationszwang in Ländern der Unterkonjunktur, Solange man für freie Wechselkurse kein anderes Regulativ gefunden hat, erscheint es müßig und je nach Umstand selbstschädigend, von nationalen Regierungen Stabilität der Währung zu verlangen.

Alfred Opitz

Sindelfingen, Birkenstr. 1