In diesen Tagen hat es im deutschen Bankwesen eine interessante und bemerkenswerte Transaktion gegeben. Die Frankfurter Bank, die Mittelrheinische Kreditbank Dr. Horbach & Co., KG, Mainz, und das Bankhaus Georg Hauck & Sohn, Frankfurt/M. haben zusammen mit der International Factors AG, Chur (Schweiz) eine Gesellschaft gegründet, die International Factors Deutschland AG mit Sitz in Frankfurt, die ihrerseits wiederum eine Tochterfirma besitzen, nämlich die International Factors AG & Co, Mainz.

Was ist das für ein Unternehmen? Welche Bedeutung hat diese Gruppenbildung?

Die International Factors AG in Chur ist eine Holding. Sie ist an einer Reihe nationaler Factors-Gesellschaften in europäischen Ländern und in Übersee beteiligt. Die Hauptaktionäre der nationalen Gesellschaften besitzen wiederum Anteile an der Schweizer Holding. Und deren Gründer sind angesehene Banken in USA und London.

Dieser auf den ersten Blick recht kompliziert erscheinende Aufbau ist vor allem aus den besonderen Gegebenheiten des internationalen Factoring-Geschäftes zu erklären. Dieses ist eine amerikanische Einrichtung, die seit über hundert Jahren besteht und dort einen Jahresumsatz von rund 7 Milliarden Dollar erreicht. Es läßt sich am besten erklären, wenn man von seinem logischen Aufbau ausgeht.

Am Anfang steht die moderne Buchungsmaschine. Sie ist teuer und braucht zu ihrer Bedienung, vor allem zur Auswertung ihrer Ergebnisse, hochqualifiziertes Personal. Nur sehr große Firmen können sich entsprechende Einrichtungen schaffen. Es liegt deshalb nahe, moderne Maschinenbuchhaltungen als für einen größeren Kundenkreis arbeitende Dienstleistungsbetriebe zu verselbständigen. Ihre Aufgabe ist es, Rechnungen auszuschreiben, sie zu verbuchen, den Zahlungseingang zu verfolgen, zu mahnen und laufend Auszüge der Geschäftsleitung zur Verfügung zu stellen.

Die Übernahme von Dienstleistungsfunktionen durch die Führung einer Debitorenbuchhaltung und die Erledigung von Arbeiten, die mit ihr im Zusammenhang stehen, ist an sich noch nichts außerordentliches. Der entscheidende Schritt zum Factoring erfolgt erst dadurch, daß die Dienstleistungsfunktion von einer Bank übernommen wird. Diese führt dann nicht nur die Debitorenbuchhaltung für ihren Kunden (den wir der Einfachheit halber im weiteren „Anschlußfirma“ nennen wollen), sondern sie erarbeitet gleichzeitig auch die Kreditunterlagen zur Bevorschussung von Forderungen. Der Dienstleistungsbetrieb und die Kreditabteilung der Bank arbeiten dann Hand in Hand. Zusammen mit der Anschlußfirma werden die Kreditlinien festgelegt, die diese ihren einzelnen Kunden gibt. Aus dem täglichen Geschehen weiß also die Bank genau, wie die Kundschaft der Anschlußfirma einzuschätzen ist.

Die Forderungen der Anschlußfirma werden mit ewa 80, 90 oder gar 95 % von der Factoring-Bank bevorschußt.