über diese Nummer der ZEIT verstreut finden Sie eine Fülle von Flora-Sphinxen. Neben einer allgemeinen Berechtigung, die uns von vornherein gegeben scheint, erfährt der Abdruck seine besondere Rechtfertigung aus den drei Steckbriefen, die wir hier veröffentlichen. Diese drei haben wir aus hundert Steckbriefen auf berühmte Leute ausgewählt, welche demnächst im Langewiesche-Brandt Verlag, Ebenhausen sei München, erscheinen sollen – in der Nachfolge eines am 11. Dezember 1959 in der ZEIT empfohlenen Bändchens, das uns vor allem für Anfänger geeignet erschien, diesmal „für Fortgeschrittene“. Autor ist wiederum Ulrich Friedrich Müller. Das ganze Vergnügen wird zum Preis von 5,80 DM zu haben sein. Die einzelnen Stücke sind so aufgebaut,“ daß Ganz-Kluge den Gesuchen nach dem ersten Absatz finden sollen, Mittel-Kluge nach dem zweiten, Kluge nach dem dritten. Für alle Fälle wollen wir aber die Lösung veröffentlichen – in der nächsten Nummer.

Steckbrief 13

Er war Niedersachse, und zwar geradezu die Verkörperung des wortkargen-, verschlossenen, beinahe menschenscheuen Norddeutschen, der es zum Beispiel fertig brachte, seinen Reisebericht aus Venedig zu geben mit den Worten: „Die Gegend dahier ist fast so schön wie die Lüneburger Heide“ und es dem Empfänger des Briefes überließ, ob er das als Scherz oder Ernst begreifen sollte. Nur in seinen Werken und in ganz vertrautem Kreise ließ er seinem auf den ersten Blick kindlich-lustigen, aber bei näherer Betrachtung scharfen und manchmal bitter satirischen Temperament die Zügel schießen. Geboren ist er 1832 in der Nähe des Klosters Loccum. Sein Todesjahr ist vielen nachdrücklich eingeprägt worden, als nach Ablauf der fünfzigjährigen Schutzfrist des Urheberrechts die Vertreter der Buchgemeinschaften Ausgaben seiner Werke 1958 in allen Haustüren feilboten.

Er begann als sehr ernsthafter Maler und versuchte, es mit seinen Ölgemälden den großen Niederländern gleichzutun. Aber dann verschlug es ihn nach München, und dort erhielt er den Anstoß zu einer ganz anderen Kunstform. Er erzählt davon in seinen Erinnerungen: „Es kann 1859 gewesen sein, als die Fliegenden Blätter meinen ersten Beitrag erhielten: Zwei Männer auf dem Eise, von denen einer den Kopf verliert. So nahmen denn bald die kontinuierlichen Bildergeschichten ihren Anfang, die, mit der Zeit sich unwillkürlich erweiternd, mehr Beifall gefunden, als der Verfasser erwarten durfte.“

Dieser Beifall wurde dem bescheidenen Mann oft lästig, und als der Applaus an seinem siebzigsten Geburtstag besonders laut wurde, fertigte er die Gratulanten mit einem Gedicht ab, in dem ein Teil seiner Lebensphilosophie steckt:

Doch eines war mir oftmals recht verdrießlich,

Besah ich was genau, so fand ich schließlich,