Südafrikas Justizminister Jolen B. Vorster reagierte zwar zunächst unwillig: „Das ist purer Unsinn“, das Oberste Gericht in Kapstadt befand sogar, der Fall sei „rechtlich unerheblich“ – dennoch wurde der farbige südafrikanische Arzt Kenneth Abrahams binnen kurzem wieder freigelassen und heimlich über die Grenze nach Betschuanaland abgeschoben.

Der 26jährige Arzt, der von den südafrikanischen Behörden der „Sabotage“ gegen die Apartheidpolitik beschuldigt wurde, war in das benachbarte britische Protektorat Betschuanaland geflüchtet. Das nächste was man erfuhr: er saß plötzlich im Gefängnis in Kapstadt. Wie war er dorthin gekommen? Als Farmer verkleidete südafrikanische Polizisten, so erzählt Abrahams, hätten ihn, 160 Kilometer von der Grenze entfernt, gekidnappt und gewaltsam nach Südafrika zurückgebracht.

Eine Welle der Empörung brach über Verwoerds Regierung herein. Die britische Regierung sah sich gezwungen, öffentlich gegen diesen Menschenraub zu protestieren und die Respektierung ihres Asylrechtes zu verlangen. Mehr noch als alle Verfolgungen politischer Gegner der Rassentrennung, mehr als alle drakonischen Haftgesetze, drohte der Fall Abrahams die ohnehin vom US-Sicherheitsrat, vom Weltkirchenrat und von der Internationalen Juristenkommission scharf verurteilte Südafrikanische Republik in die Isolation zu drängen. Das Risiko, nun auch von den Briten öffentlich verdammt zu werden, scheute Verwoerd dann noch. Er gab Abrahams wieder frei, um die „gutnachbarlichen Beziehungen“ nicht zu stören. D. St.