Hamburg

Zwei Anklagebänke standen wie Schulbänke hintereinander im Zimmer 398 des Hamburger Landgerichtes, wo vor der Großen Strafkammer 2 die Berufungsverhandlung gegen vier Polizisten stattfand. Zwei vor. ihnen hatte die Erste Instanz, das Amtsgericht, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, einen zu zwei Monaten, einen hatte es freigesprochen. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten Berufung eingelegt.

Den Angeklagten wurde „zur Last gelegt, sich verabredet zu haben, nichts davon zu wissen, daß ein anderer Polizist bei einem Einsatz eine Whiskyflasche an sich genommen hatte“.

Die vier Männer sitzen als schlichte Zivilisten an den vier Enden der Bänke. Zwei von ihnen sind 27 Jahre alt, einer 34, einer 42. Alle sind scharf rasiert, die älteren tragen militärischenHinterkopfkahlschnitt. Tätiger Polizist ist zur Zeit nur der Zweiundvierzigjähriger. Allerdings ist er nicht mehr Schichtführer „an Wache“, sondern tut Streifendienst im Freihafen. Er ist der von der Ersten Instanz Freigesprochene. Zwei seiner mitangeklagten Kollegen, „amtsenthoben“ mit 80 Prozent ihrer Bezüge, arbeiten jetzt anderswo, einer als Klempner, einer als „Mädchen für alles“, in einem Reformgeschäft. Der vierte Angeklagte kann nicht mehr hoffen, in den Polizeidienst zurückzukehren: Er wurde wegen Trunkenheit am Steuer (2,2 Promille, er verursachte dabei einen Unfall) verurteilt.

In der Rolle derer, die Rede und Antwort zu stehen haben, fühlen die vier sich sichtlich nicht wohl. Ihre Erfahrungen liegen auf der anderen Seite: sie waren es gewohnt, andere streng zu befragen. Der Staatsanwalt ist aber der Ansicht, daß die sehr unklaren Erinnerungen an den 18. Oktober, die sie dem Gericht vortragen, doch von der Erfahrung geprägt sind, wie sich ein Beschuldigter tunlichst verhalten sollte.

Am 18. Oktober morgens zwischen fünf und sechs Uhr erreichte die Polizeiwache am Großneumarkt die Meldung, in einem Delikatessengeschäft in der Ferdinandstraße sei ein Brand ausgebrochen. Der Peterwagen 14 fuhr dorthin, „Peter 12“ von einer anderen Wache kam ebenfalls. Der Brand war noch nicht gefährlich. Die Polizei holte den Ladeninhaber herbei, die Feuerwehr löschte das glimmende Kabel einer Kühltruhe.

Vor dem Schaufenster stand der Polizist Vincentini von Peter 12 und blickte in den Laden. Da sah er, daß sein Kollege Fischer von Peter 14 eine Whiskyflasche von der Kühltruhe nahm, einsteckte und damit herauskam. Er sagte ihm, was er gesehen hatte. Fischer aber ging, die rechte Hand an seine verdächtig ausgewölbte Hüfte pressend, zum Peterwagen, dessen Fahrer er war, stieg ein und kam, schlanker geworden, bald wieder heraus. Kurz darauf fuhren alle Polizisten ab und in ihre Wachen zurück.