Deutscher Wein in Europa“ stand in großen Lettern über dem 45. Deutschen Weinbaukongreß, der am letzten Sonntag in Mainz zu Ende ging. Nur alle drei Jahre treffen sich die Winzer auf einer solchen Großveranstaltung und selbst dann vermeidet man tunlichst schrille Töne. Veranstalter ist der Deutsche Weinbauverband, dessen, Präsident Graf Matuschka-Greifenclau eher den Eindruck eines abgeklärten Privatgelehrten als den eines Bauernführers macht. Immerhin ist es seinem Geschick mit zu verdanken, daß die deutschen Weinbauern trotz des EWG-Vertrages immer noch einen Schutz genießen, den sich die anderen Bauern wohl wünschen möchten. Trotz des Mottos „Deutscher Wein in Europa“ ist die Einfuhr nach wie vor kontingentiert. Die Bundesregierung ist außerdem bereit, einem etwa auftretenden Preisverfall durch vorübergehende Einfuhrsperren Einhalt zu gebieten.

Indessen, auch unter den Winzern mögen’s manche heiß, das zeigte der Beifall, den Präsident Rehwinkel in Mainz erntete. Dennoch überwiegt die Zahl jener, die sich und ihren Betrieb intensiv auf den Zeitpunkt vorbereiten, da der Einfuhrschutz wegfällt. Schenkt man den Worten der Verbandsfunktionäre Glauben, dann sind sich die Winzer bereits seit einigen Jahren völlig darüber im klaren, was sie vom Gemeinsamen Markt zu erwarten haben. Es spricht vieles für eine solche Behauptung, denn im Gegensatz zu den Bauern hört man von den Winzern keine illusionären Forderungen.

Natürlich hat der Weinbau Sorgen, auch das kam in Mainz zum Ausdruck, aber sie münden keineswegs in seitenlangen Wunschzetteln an die Bundesregierung, sondern die Winzer diskutieren über ihren Verband mit der Regierung und dem Parlament darüber, was vom Gesetzgeber her noch getan werden kann, dem deutschen Weinbau seinen Weg in die EWG zu ebnen. Einen wesentlichen Schritt hierzu tat der Bundestag bereits vor zwei Jahren mit dem Weinwirtschaftsgesetz, das unter anderem Rebkulturen aus ungeeigneten Lagen verbannen wollte. Schon früher gab es eine sogenannte Reblandabgrenzung, sie war indessen vom Bundesverfassungsgericht wegen mangelhafter Rechtsgrundlagen aufgehoben worden. Die Rechtsgrundlage ist zwar mit dem neuen Gesetz geschaffen worden, jedoch sind bei einigen Betroffenen Zweifel darüber entstanden, ob eine Anbauregelung im Grundsatz mit der Verfassung zu vereinbaren ist. Bis diese Zweifel endgültig behoben sind, dürften weitere Rebenplantagen außerhalb der dafür zugelassenen Gemarkungen angelegt werden.

Das wäre alles nicht so schlimm, wenn wir ein vernünftiges Weingesetz hätten, das von vornherein qualitativ minderwertige Weine vom Verkauf ausschließt. Da es fehlt, versuchte man auf dem Umweg über den begrenzten Anbau die Qualität zu heben. Diesen Irrtum könnte man jetzt beseitigen, da ein neues Weingesetz im Bundesgesundheitsministerium vorbereitet wird, doch dazu hat offenbar die Bundesregierung keinen Mut, weil sie einem Kampf mit bestimmten Teilen der Weinlobby aus dem Wege gehen möchte. Hinter vordergründigen Motiven steht außerdem eine große Sorge: Was wird aus dem Moselweinbau? Der immer wieder gerühmte einmalige Charakter des deutschen Weißweines tritt in guten Jahrgängen beim Moselwein guter Lagen besonders augenfällig zu Tage. In Jahren mit weniger günstigem Wetter wächst dagegen an der Mosel in weiten Gebieten nur Essigwein oder etwas, das nur wenig besser ist.

Diese Tatsache hat unter anderem dazu geführt, die „Naßverbesserung“ zu erlauben, womit man den Zusatz von Zuckerwasser schamhaft umschreibt. Bis zu 25 % dürfen beigemischt werden, um die viele Säure auf eine größere Menge Flüssigkeit zu verteilen. Würde man nun statt mit der Anbauregelung den Weinbau auf jene Lagen verweisen, die wenigstens im Durchschnitt aller Jahre einen trinkbaren Wein versprechen, mit dem neuen Weingesetz eine Grenze bei der Verkehrsfähigkeit ziehen, dann müßten viele Moselwinzer in manchem Jahr ihren Most in den Fluß kippen oder ihn an Essigfabriken zu geringen Preisen verkaufen.

Jenseits dieser Überlegungen ist man aber im Bundesgesundheitsministerium der Meinung, die Naßverbesserung sei für den deutschen Wein diskriminierend. Trotzdem denkt man nicht daran, sie abzuschaffen. Man will sie lediglich auf 15 % herabsetzen und die Landesregierungen dazu ermächtigen, den Zusatz von Zuckerwasser zu erlauben oder nicht. Damit wandert der schwarze Peter von Bonn zu Europas einzigem Weinbauminister Oskar Stübinger nach Mainz, der sich mit den Moselwinzern herumärgern muß. Ihm bleibt eigentlich nur die Wahl, die Naßverbesserung entweder auf das Weinbaugebiet der Mosel oder aber auf den Riesling zu beschränken, denn außerhalb der Mosel und bei anderen Rebsorten als beim Riesling ist sie ohnehin nicht notwendig. Damit würde dann entweder der Moselwein diskriminiert oder aber der Riesling, dessen Früchte erwiesenermaßen gerade jene Weine hervorbringen, deren Einmaligkeit so gerühmt wird. So konsequent zu sein, die Naßzuckerung ganz zu verbieten und nur die Trockenzuckerung ohne Wasserzusatz zu gestatten, wollte man aber in Bonn auch wieder nicht sein. Schließlich sitzen an der

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