KÖLN (Overstolzenhaus): „Sammlung Clemens“

Seit 1919 gehört die Sammlung Clemens dem Kölner Kunstgewerbemuseum, 1600 Objekte, sein wertvollster Besitz, Die Sammlung ist jetzt zum erstenmal seit 25 Jahren wieder ausgestellt, im Overstolzenhaus, dem provisorischen Museumsdomizil, bis Mitte September. Der Stifter Wilhelm Clemens lebte seit 1874 als Maler in München, malte „Wilderers Ende“ und ähnliches Genre und schwärmte, wie alle besseren Münchner Maler, für „Urväter Hausrat“, für alte Möbel, Waffen, Humpen, Zinngerät und altdeutsche Kunst. Die Dinge sollten künstlerische Atmosphäre verbreiten und waren außerdem als Requisiten für Historienbilder zu gebrauchen, überm Sammeln vergaß er solche bescheidenen Absichten, wurde ein Kenner von hohen Graden und sublimem Geschmack, erwarb Memling, Schongauer, Ysenbrandt, Lukas van Leyden. Außerdem eine Reihe großartiger Skulpturen: französische Madonnen des 14. Jahrhunderts, ein Hauptwerk von Riemenschneider, Werke von Conrad Meif, Peter Vischer, Georg Petel, Kleinkunst wie die abgebildete Leuchterfigur in Bronze (vermutlich vom Kronleuchter der Kirche in ’sHertogenbosch, 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts). Zu den mehr kulturell als künstlerisch interessanten Teilen der Ausstellung gehören Waffen, Schmuck und die vollständigste Spezialsammlung von Pilgerzeichen aus Blei und Zinnguß.

BADEN-BADEN (Galerie Dr. Ernst Hauswedell):

„Nay“

Dr. Hauswedell, Hamburger Antiquar und Auktionator, hat in Baden-Baden in der Lichtentaler Allee eine Galerie aufgemacht (Verlag und Auktionsgeschäft bleiben weiter in Hamburg). Er eröffnet mit einem der prominentesten deutschen Maler: Aquarelle, Zeichnungen und Graphik von Ernst Wilhelm Nay. Eine Auswahl aus den Jahren 1947 bis 1963, Bei einer so weit bemessenen Zeitspanne verschwindet der Eindruck von Monotonie und Schematismus, der sich leicht einstellt, wenn man zu viele Nays aus der gleichen Epoche nebeneinander sieht. Die Reihe der Aquarelle ist erstaunlich abwechslungsreich und rechtfertigt seinen Ruf eines großen Koloristen – Kolorist, nicht Dekorateur. Die Ausstellung endet am 30. September. g. s.