Von Fritz Baade

Zu der Entgegnung von Herbert Kriedemann auf meinen Vorschlag, in den europäischen Industrieländern bewußt Getreideüberschüsse zu produzieren und sie zusammen mit den amerikanischen Überschüssen im Weltkampf gegen den Hunger einzusetzen, ist zu sagen, daß sie völlig am Leitbild des Liberalismus orientiert ist;

„Zur Überwindung des Hungers in der Welt gehört. in erster Linie die Überwindung des Agrarprotektionismus überall in der Welt,“

Auch für Amerika „soll das Leitbild von nichts anderem bestimmt sein als von den praktischen Erfordernissen, einer rationellen Getreide Produktion – auch wenn dadurch die Zahl der in der Landwirtschaft, tätigen Menschen und die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe wesentlich geringer sein wird als heute“. Radikaler kann man wohl ein vom Liberalismus geprägtes Agrarprogramm kaum formulieren.

Das Leitbild meines Vorschlages ist demgegenüber konservativ. Zum konservativen Leitbild bekenne ich mich gern in dem Sinne, daß konservativ ja „erhaltend“ bedeutet. Die Erhaltung dessen, was erhaltensfähig und erhaltenswürdig ist, gehört für mich zu den Zielen jeder sinnvollen Agrarpolitik. Und die Leistungsfähigkeit der großen Mehrheit der deutschen Bauern ist so groß, daß sie ganz bestimmt zu dem Erhaltenswürdigen gehört.

Es wäre aber Zeitverschwendung, hier die Argumente für eine am liberalen Leitbild und eine am konservativen Leitbild orientierte Agrarpolitik einander gegenüberzustellen. Die Entscheidung über diese Frage ist längst gefallen. Es gibt kein westeuropäisches Land, das eine liberale Agrarpolitik nach dem Rezept von Herbert Kriedemann zu betreiben bereit wäre. Angesichts des völlig politisierten „Weltmarktes“ kann kein Land in der Getreidepolitik liberale Marktwirtschaft spielen. Die konservative, d. h. die erhaltende Agrarpolitik ist die einzige, die im politischen Raum Westeuropas ein Lebensrecht hat.

Dies gilt insbesondere auch von der im engeren Sinne zur Diskussion stehenden Frage der Getreidepreise. Sowohl die CDU wie die FDP haben sich in der Bundesrepublik gegen die Senkung dieser Preise eindeutig ausgesprochen. Bundesminister Schwarz hat erklärt, daß, „bevor eine Senkung des Getreidepreises überhaupt geredet werden könne“, „die absolute Gewähr“ gegeben sein muß, „daß das Einkommen der Landwirtschaft nicht gemindert wird. Das heißt: Es muß für etwaige Einkommenseinbußen ein voller und dauerhafter Ausgleich gegeben werden, der als direkte, deutliche Zuwendung in die Hand der betroffenen Landwirte gelangt“. Damit ist der deutsche Standpunkt in dieser Frage unzweideutig seitens der Regierungsparteien festgelegt.