AIX-EN-PRO VENCE (Festspiele):

„Ariadne auf Naxos“ und „Idomeneo“

Die Strauss- und Mozart-Oper waren die „Novitäten“ der diesjährigen Festspiele in Aix-en-Provence. Von Mozart wurden außerdem „Die Zauberflöte“ und „Cosi fan tutte“ wiederholt. „Unter den ach so zahlreichen europäischen Festspielen gibt es nur wenige“, schreibt Klaus Geitel in der Welt, „die an Charme den Festspielen in Aix gleichen.“ In Deutschland erfreuen sie sich besonderer Aufmerksamkeit auch deshalb, weil sie seit 1948 maßgeblich mitbestimmt wurden durch den Dirigenten Hans Rosbaud. Er sorgte (mit Unterstützung des Südwestfunks, Baden-Baden) nicht nur für einen beträchtlichen Anteil zeitgenössischer Musik, Rosbaud entwickelte als Interpret auch einen „Style mozartien d’Aix“, als dessen Merkmal K. H. Ruppel in der Süddeutschen Zeitung „französische Akkuratesse und eine damit verbundene gewisse Kühle“ hervorhebt. Rosbaud ist tot. Sein Erbe verwalten der Südfranzose Serge Baudo, der Engländer John Pritchard und der Schweizer Peter Maag. Aber „Rosbaud hat keinen Nachfolger gefunden“, stellt die Deutsche Zeitung fest. Damit man in Aix nicht auf international berühmte Sänger verzichten muß, werden die Opern in der Originalsprache gesungen. „Gut war es, daß das weit überwiegend französische Publikum nichts von dem Deutsch der Zauberflöte verstand“, bemerkt Ruppel, „es hätte sonst Qualen zu leiden gehabt.“ Derselbe Kritiker war auch entsetzt von der „Ariadne auf Naxos“. Er nennt die Aufführung, die von Werner Düggelin inszeniert worden war, „ein Mißverständnis“. Einen Hauptgrund der Enttäuschung bildete die Sängerin der Ariadne: Teresa Stich-Randall, „Königin des Festspiels“, als „eine der technisch perfektesten, aber seelenlosesten Primadonnen der Gegenwart“ (Ruppel), „Note an Note wie Perle an Perle reihend, auf jedes Legato verzichtend, eine Prozedur hoher Manieriertheit“ (Geitel). „Enttäuschend als Königin der Nacht wie auch als Zerbinetta: die niedliche, blasse Gianna d’Angelo.“ Dagegen war „eine große Karriere leicht zu prophezeien der jungen Wiener Staatsopernsängerin Gundula Janowitz, einer Entdeckung Karajans“ (Pamina).

BASEL (Komödie):

„Die Geisel“ von Brendan Behan

Eine interessante Aufführungsvariante bestätigt Rolf Michaelis in der Stuttgarter Zeitung einem Stück, das in Ulm Tumult erregt hat und in derselben (Bremer) Inszenierung von Peter Zadek dieses Jahr bei den Berliner Festwochen vorgestellt werden soll. Die schweizerische Erstaufführung fand einhelligen Beifall hauptsächlich dank zwei jungen Darstellern: Claus Schenkel in der Rolle des englischen Soldaten und Reinhilt Schneider als das Mädchen vom Lande, das in ein politisch hoch brisantes Bordell gerät. „Ereignis des Abends: das Spiel der hochbegabten Reinhilt Schneider.“ Im Gegensatz zur Ulmer Aufführung fehlte es, laut Michaelis, „der Inszenierung Werner Krauts an Spannung und atmosphärischer Dichte... Die Regie war bemüht, eine durchgehende Linie (gemäßigter Aggression) zu finden, und legte dadurch die Schwächen des Stückes bloß.“