Amerikanische Meteorologen wollen den Hurrikan unschädlich machen

Von Erwin Lausch

Im Jahre 1919 verwüstete ein Hurrikan die amerikanische Hafenstadt Corpus Christi am Golf von Mexiko. Eine Flutwelle überschwemmte die Straßen fünf Meter hoch und trieb die überlebenden Bewohner auf die Dächer. Auf den Rathaus hockte durchnäßt ein siebenjähriger Junge namens Robert Simpson. Der Knirps schwor – so scheint es – den Naturgewalten Rache. Simpson wurde Direktor der für schwere Stürme zuständigen Abteilung im US-Wetteramt und leitet jetzt das Projekt „Stormfury“, ein Forschungsprogramm mit verwegenem Ziel: Die verheerenden Wirbelstürme sollen unschädlich gemacht werden, bevor sie vom Atlantik her das Festland erreichen. In diesen Tagen wartet Simpson auf einen Hurrikan, der für eine Attacke geeignet erscheint.

Der ehrgeizige Plan macht die Fortschritte deutlich, die Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten im Kampf gegen die mächtigsten Stürme der Erde gemacht haben. Starke Hurrikane toben mit einer Kraft, die in jeder Sekunde der Energie mehrerer Atombomben entspricht. In den gigantischen Luftwirbeln, die Durchmesser bis zu 13C0 Kilometer erreichen, wurden Windgeschwindigkeiten von 300 km/st gemessen (Windstärke 12: ab 120 km/st).

Gefährlicher Luftkreisel

Im Gürtel der äquatorialen windstillen Zonen bilden sich über dem Meer die verhängnisvollen Sturmwirbel, die an der atlantischen Küste Mittel- und Nordamerikas Hurrikane genannt weiden – nach dem indianischen Sturmgott Hurraken –, im Pazifik als Taifune und im Indischen Ozean als Zyklone gefürchtet sind. Hurrikane entstehen in der Regel etwa 1500 Kilometer südöstlich der Bahama-Inseln im Spätsommer und Frühherbst, wenn die Wassertemperatur mit 27 bis 30 Grad den höchsten Wert des Jahres erreicht.

Nach der heute vorherrschenden Theorie steigen über einem besonders stark erwärmten Gebiet große Mengen feuchtwarmer Meeresluft auf. Unten stößt kühlere Luft von den Seiten her in die Aufstiegszone. Unter dem Einfluß der Erddrehung gerät die nachströmende Luft auf eine spiralige Bahn, während im Innern wie in einen riesigen Schlot immer mehr erwärmte Luft aufsteigt.