Was Ist mit Montecatini?

Frage: Im Jahre 1959 kaufte Ich mir Montecatini. Aktien zum Kurse von 22 pro 1 Stück. In der Folgezeit stieg der Kurs unaufhaltsam und erreichte mit 46 seinen Kulminationspunkt. Dann ging es allmählich abwärts, Im Jahre 1962 gab die Gesellschaft noch Gratisaktien aus. aber heute liegt der Kurs hoffnungslos bei 13.

Sicherlich haben sich auch in anderen Ländern die Aktienkurse in den letzten Jahren zurückgebildet, und die Politik der „offenen Tür nach links“ hat in Italien zweifelsohne Ihren Schatten auf die Börse geworfen. Aber vergleichsweise sind die Fiat-Aktien weit weniger in den Keller gerutscht als die Werte von Montecatini, wobei man allerdings berücksichtigen müßte, daß Fiat keine Gratisaktien ausgegeben hat.

Was ist mit Montecatini los, und wie soll man sich die Kursentwicklung dieses Papiers erklären?

Dr. G. G., Aachen

Antwort: Ihre Frage nach dem Grund, der die Montecatini-Aktien seit längerem auf einem Tiefststand verharren läßt, kann in erster Linie nur aus der innenpolitischen Lage Italiens erklärt werden. Die Unsicherheit, die das zur Zeit bestehende Übergangskabinett umgibt, kommt an der Mailänder Börse seit Monaten zum Ausdruck und läßt die in- und ausländischen Anleger in Passivität verharren. So mancher spekulativ eingestellte Aktionär hat seine Werte daraufhin veräußert. Der Mangel an Vertrauen führt dazu, daß es für die italienischen Gesellschaften immer schwieriger wird, Kapitalerhöhungen durchzuführen, die für die geplanten Expansionen an und für sich notwendig wären.

Darüber hinaus fehlen seit einigen Monaten die früheren umfangreichen amerikanischen Käufe, und die Hoffnung auf ein Comeback der Amerikaner, die bisher die Mailänder Börse immer noch zuversichtlich stimmte, ist seit der Kennedy-Erklärung zur Zinsausgleichsteuer zunichte geworden.