An den Fingern einer Hand kann man die Insolvenzen abzählen, von denen seit Kriegsende in der Bundesrepublik Kreditinstitute betroffen waren. Zwei kleine Aktiengesellschaften und ein Privatbankhaus waren die einzigen, die in den letzten beiden Jahren ihre Pforten schließen mußten, oder ihre „Zahlungen einstellten“, oder „aufgelöst wurden.“ Denn so vornehm und zurückhaltend ist die Fachsprache. Kreditinstitute gehen nicht pleite, sie geraten nicht in Konkurs! Selbst wenn die Gläubiger zusammenlaufen, wie es das Wort concurrere so anschaulich verheißt, geschieht es zunächst „heimlich still und leise.“ Die Einleger sollen nicht beunruhigt und das Vertrauen in das Bankwesen und die Währung nicht erschüttert werden. Denn immer wenn publik wird, daß kleinen Einlegern und Sparern Gefahr droht, ihr Geld zu verlieren, ist die Erregung in der Öffentlichkeit groß.

Größere Unruhe hatte es zuletzt im September vorigen Jahres gegeben als ein kleines Privatbankhaus an der Mosel illiquide wurde, 1,5 Millionen DM privater Spareinlagen einfroren und das Bundesaufsichtsamt die Pforten der Bank schloß. Da sich das private Bankgewerbe damals nicht schnell genug zur Hilfeleistung aufraffen konnte, kam es zu einem offenen Vergleichsverfahren, an das manche Sparer heute noch denken, weil sie ihre dritte Rate noch nicht erhalten haben.

Das soll künftig anders und besser werden. Nach langen Verhandlungen, die nun schon über ein Jahr laufen, hat die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes Anfang September die Bildung eines Gemeinschaftsfonds beschlossen, der die Aufgabe hat, „bei drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeiten privater Kreditinstitute im Interesse der Einleger Hilfe zu leisten.“ Wenn de Landesverbände zustimmen, ist damit ein Instrument geschaffen, das langwierige Verhandlungen darüber, ob und wie geholfen werden soll, hoffentlich unnötig macht, zumal ein Sondervermögen von 10 Millionen DM für Hilfeleistungen gebildet wird.

Besonders bemerkenswert an der Einrichtung ist die Tatsache, daß die Deutsche Bundesbank und mit ihr die Landeszentralbanken sowie das Bundesaufsichtsamt nicht nur ihre Zustimmung dazu gegeben, sondern ihre Mitarbeit angekündigt haben. „Die Unterstützung besteht darin, den Fonds möglichst frühzeitig über alle Vorgänge zu unterrichten, auf Grund deren ein Eingreifen in Betracht kommen könnte.“

Vertrauensvolle Informationen und Aussprachen wären tatsächlich die beste Voraussetzung zur Hilfe. Denn wenn die Kreditinstitute dem Fonds beitreten, sind Regreßansprüche, die das Bundesaufsichtsamt stets zu gegenwärtigen hatte, wenn es eingreifen wollte, so gut wie ausgeschlossen. Natürlich wird es auch bei der neuen Regelung feinen Fingerspitzengefühls bedürfen, im rechten Augenblick das Erforderliche verschwiegen und schnell zu tun.

Eine Garantie für die Einleger gibt es allerdings nicht. Der Fonds behält sich im einzelnen vor, ob er helfen will. „Es ist an eine flexible Handhabung gedacht“ heißt es zunächst recht unverbindlich in der Presseerklärung des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes zu diesem Punkt. Erste Voraussetzung zum Eingreifen ist grundsätzlich die Mitgliedschaft der betroffenen Bank beim Fonds. Diese beinhaltet die Verpflichtung, gegebenenfalls die Bücher offenzulegen und alle gewünschten Auskünfte zu erteilen.

Diese Einschränkungen sind von der Bankierseite her verständlich. Man möchte nicht für schwarze Schafe in die Tasche greifen und erzieherisch wirken. Schließlich sollen auch nicht die letzten Bonitätsunterschiede eingeebnet werden. Der Kunde trägt bei den privaten Banken also nach wie vor das letzte Risiko seiner Einlage. Doch schneller als bisher wird es im Falle einer Bankinsolvenz heißen: „Den Sparern kann geholfen werden.“ web