Von Mieczyslaw Skrzypczak-Spak

„Einen Leierkasten kann man rückwärts drehen, die Melodie nicht.“

St. J. Lec

Im nuklearen Zeitalter werden nicht nur Atome gespalten, es werden auch überalterte Begriffe von Rüstung und Außenpolitik mehr und mehr zerschlagen.

Gegenwärtig bahnt sich eine Umwertung aller Doktrinen an vielen politischen Frontabschnitten an. Das Moskauer Abkommen hat auf hochster Machtebene die Möglichkeiten zu einer neuen hoffnungsvollen Ära der friedlichen Aktivität der Menschheit eingeleitet. Jetzt werden auch die bisher verhärteten Frontstellungen vieler Nachbarvölker der Welt zueinander aufgeweicht. Die verantwortlichen Politiker dieser Länder können und müssen nach positiven Lösungen im Nachbarleben ihrer Völker suchen.

In Europa wird es jetzt sehr darauf ankommen, wie sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen und vor allem zwischen der Bundesrepublik und Polen gestaltet. Der bisherige, mit den Schlagworten „Kommunist“ und „Antikommunist“ beziehungsweise „Kapitalist“ über die Wirklichkeit gebreitete Schleier löst sich auf und kann von den Politikern nicht länger wirkungsvoll genutzt werden. Beiden Völkern bietet sich endlich die Möglichkeit, sich direkt und ohne Außendruck ins Gesicht zu schauen.

Noch ist die Spannung aber sehr groß, da die Belastungen der Vergangenheit im emotionellen Bereich so stark angewachsen sind, daß man sehr viel Arbeit brauchen wird, um sich durch diesen Ressentiment-Dschungel hindurchzuarbeiten.