Der erzwungene Krieg“, die Darstellung des amerikanischen Historikers David L. Hoggan über die Ursachen des Krieges von 1939, hat in Deutschland einige Unruhe hervorgerufen, weil Hoggan zu beweisen sucht, daß Hitler am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges keine Schuld trage. Großen Eindruck auf gläubige Leser machte es, daß Hoggan seine Thesen durch zahlreiche Verweise auf die Quellen untermauerte. Die Forscher haben längst nachgewiesen, daß Hoggan diese Quellen ganz selbstherrlich deutet.

In einem Sonderdruck der „Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte“ unterzieht sich nun Hermann Graml der mühevollen, aber verdienstvollen Aufgabe, Dokument um Dokument mit der Wiedergabe durch Hoggan zu vergleichen. Der Leser wird Hans Rothfels recht geben, der beim Historikertag in Duisburg dargelegt hat, daß Hoggan selbst vor Fälschungen nicht zurückgeschreckt ist. Hoggans Buch ist ein Musterbeispiel für Entstellungen und Verzerrungen. Für die Wissenschaft ist es gleichgültig, für das politische Urteil des Staatsbürgers unbrauchbar. H. E.

Nachstehend seien zwei der von Graml aufgezeigten Beispiele angeführt:

„Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben“ vom 12. 11. 1938:

„§ 1. Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9. und 10. November 1938 an jüdischen Gewerbetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.

§ 2. Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen. Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt.“

(Reichsgesetzblatt I, S. 1581)