DIE ZEIT

Umsiedlung?

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschafts-Bundes, Ludwig Rosenberg, behauptete in einer Rede in Freising, die Wünsche der Gewerkschaft würden meist als verantwortungslos bezeichnet, während man „auch der unvernünftigsten Forderung der Landwirtschaft nachgebe“.

Erhard schweigt

Große oder kleine Kabinettsumbildung – das ist die Kernfrage all der Mutmaßungen oder Empfehlungen, zu denen Erhard, wie er nun öffentlich erklärte, vor seiner Wahl zum Bundeskanzler nicht Stellung nehmen will.

Nur Abhör-Amtshilfe?

Eigentlich hatte der Bundesinnenminister diese Woche in Spanien sein wollen, um dort historische Ausgrabungsstätten zu besichtigen, aber dann mußte er die geplante Reise im letzten Augenblick verschieben – wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes, wie die offizielle Begründung hieß.

Zeitspiegel

Das Militärregime in Südkorea bereitet den USA ähnliche Sorgen wie das Regiment der Familie Diem in Südvietnam. General Chung Hee Park, der starke Mann Südkoreas steckte seinen früheren Premier und Verteidigungsminister, Generalleutnant Song Yo Chang, den führenden Mann der Oppositionspartei, kurzerhand ins Gefängnis, weil er es gewagt hatte, ihn zu kritisieren.

Der Tod am Stacheldraht

Es gibt sicherlich keinen westdeutschen Juristen, der den Landgerichtsdirektor Dr. Pracht um seinen Auftrag, um seine Pflicht beneidet, im Fall Fritz Hanke Recht zu sprechen.

Der fast vergessene Europa-Architekt

Bei den Begräbnisfeierlichkeiten um die sterblichen Überreste Robert Schumans gab es am vorigen Samstag in Metz weder Reden noch Kränze.

„Keine Rechtsverletzung“

Aus dem vorliegenden Resultat seiner Untersuchungen gehe nicht hervor, sagte Bundesminister Höcherl dabei, daß eine gesetzwidrige Handlung erfolgt sei, die Strafmaßnahmen gegen Angehörige des Bundesverfassungsschutzamtes oder des Bundesinnenministeriums rechtfertigen würden.

Dokumentation zur Verfassungsschutz–Affäre

(1) Soweit nach diesem Grundgesetz ein Grundrecht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden kann, muß das Gesetz allgemein und nicht nur für den Einzelfall gelten.

Resignation in Leipzig

Die Leipziger Herbstmesse überraschte den Besucher aus dem Westen durch einen merkwürdigen Widerspruch. Auffallend war die Diskrepanz zwischen den stärker gewordenen Entspannungsbekundungen nach außen und den immer noch recht geringen Anzeichen einer Entspannung im Inneren.

Ein Präsident, der nicht absetzbar ist

Der Bundesrechnungshof ist eine der wichtigsten Bundesbehörden. Er „überwacht die gesamte Haushalts- und Wirtschaftsführung der Bundesorgane und der Bundesregierung“.

Mehr Geld für die Bombe

De Gaulles atomare Rüstungspolitik gerät immer mehr unter Druck. Zu diplomatischen Scharmützeln kam es in der vergangenen Woche, als Außenminister Couve de Murville die französischen Botschafter in Australien, Neuseeland, Chile und Peru anwies, „die Überraschung der französischen Regierung hinsichtlich der systematischen, von offiziellen Kommuniques unterstützten Feldzüge gegen die in Aussicht genommenen französischen Nuklear-Experimente im Pazifik“ auszudrücken.

Die ungleichen Generäle

Sang- und klanglos ließ der Generalsekretär seinen General gehen: Zum Rücktritt des UN-Missionschefs im Jemen, des 60jährigen schwedischen Generals Carl Carlsson von Horn, bemerkte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, U Thant, nur lakonisch, dies geschehe „zum Wohle der Mission und auch zum Besten für Horn selber“.

Mit Dollars gegen Sowjetrußland

Sorgenvoll und bitter kam der stellvertretende amerikanische Außenminister Ball aus Pakistan nach Washington zurück. Sein Blitzbesuch bei Ayub Khan bewirkte bestenfalls eine Warnung: Sollte der pakistanische Flirt mit Peking zu einer „Verlobung“ führen, dann werden die Vereinigten Staaten Pakistan bündnisfeindliches Verhalten vorwerfen und ernste Konsequenzen androhen.

Weg zur Diktatur?

Mit Pathos hatte ein Sprecher des algerischen Rundfunks am letzten Sonntag verkündet: „Dies ist ein großer Tag für Algerien; heute wird das Volk die Verfassung billigen“ .

Ein Pole in der Bundesrepublik

Gegenwärtig bahnt sich eine Umwertung aller Doktrinen an vielen politischen Frontabschnitten an. Das Moskauer Abkommen hat auf hochster Machtebene die Möglichkeiten zu einer neuen hoffnungsvollen Ära der friedlichen Aktivität der Menschheit eingeleitet.

Vor einem Jahr: Die Krise um Kuba

Heinz Pächter, seit vielen Jahren Korrespondent in Amerika, hat einen sicheren Blick und verfügt über mancherlei Information aus dem inneren Kreis der Mächtigen.

Hoggans Entstellungen

Der erzwungene Krieg“, die Darstellung des amerikanischen Historikers David L. Hoggan über die Ursachen des Krieges von 1939, hat in Deutschland einige Unruhe hervorgerufen, weil Hoggan zu beweisen sucht, daß Hitler am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges keine Schuld trage.

Aus fremden Federn

„Die Politiker, die in Deutschland während der vierzehn Jahre des Kalten Krieges regierten, haben die Sprache der Wiedervereinigung gewählt, um ihre Furcht vor seiner Beendigung auszudrücken.

Holstein war kein Dämon

„Die geheimen Papiere Friedrich von Holsteins“, herausgegeben von Norman Rich und M. H. Fisher, Deutsche Ausgabe von Werner Frauendienst, Musterschmidt-Verlag, Göttingen; vier Bände, zusammen 1852 S.

Erhards schwerer Weg

Zwischen Reaktion und Fortschritt – Bleibt der neue Kanzler ein Gefangener der Politik Adenauers? / Ton Karl-Hermann Flach

Zeitfragen: Los von Rom?

Carl Amery hat bei seiner Analyse des neudeutschen Katholizismus einen neuen terminus technicus geprägt: das „Milieu“. Darunter läßt sich nicht personifizieren, nicht klassifizieren, nicht lokalisieren, es dehnt sich aus wie eine Qualle, gibt auf Druck nach und brennt auf der Haut.

Der junge Zorn von gestern

Zeitgedichte, engagierte Lyrik, gegenwartsbezogene Verse sind daran zu messen, wie sehr es ihnen gelingt, Stimmungen, Gedanken, Gefühlen einer jungen Generation den Ausdruck zu geben, der als gültig empfunden wird.

Interview in Deutschland

Journalist: Herr Ben-gavriel, Sie sind, wem ich mich nicht irre, einer der ersten jüdischen, sicherlich aber der erste israelische Schriftsteller, der nach dem Krieg Deutschland besuchte und dessen Bücher wieder in Deutschland erschienen Sie haben hier eine große Reihe von Vorlesungen und Vorträgen gehalten und über beinahe alle Rundfunksender gesprochen.

Plastiken flüchten in den Park

Wonnig stehen die beiden kleinen Tänzerinnen auf dem grünen Rasen. Sie sehen sehr niedlich aus, die drallen Meisjes mit den wippenden Röckchen, man fühlt sich wie auf einer Ballettprobe, die im Freien stattfindet.

Zeitmosaik

Vor einigen Jahren kam der englische Akademiker Alexandre Lenard oder, wie er sich nennt, Alexandra Lenardo auf den Gedanken, das bekannte englische Kinderbuch „Winnie the Pooh“ von A.

Zum Fall Hofstätter

Eine Stellungnahme von Karl Marx, dem Herausgeber der „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland“

Wagner sollte man inszenieren

Bei den soeben beendeten Münchner Festspielen der Bayerischen Staatsoper hat es sich im wesentlichen um eine Überschau der bedeutendsten Neuinszenierungen der voraufgegangenen Saison und der unentbehrlichen Standardwerke des laufenden Repertoires gehandelt.

Pablo Casals in Berlin

Unmusikalische Zuhörer, die musikalische Veranstaltungen aus nicht-musikalischen Gründen besuchen, sind nichts Neues: Man braucht da nur an die alljährlichen Premieren in Bayreuth oder an die Metropolitan-Oper zu denken.

Streit ums Biographische

Das Leben eines Mannes, der ein Werk geschaffen hat, ist sehr oft weder für die Aufnahme seiner Schöpfungen noch unabhängig von ihnen von Bedeutung – außer für ihn selber und seine Familie.

Unterhaltendes ist unerwünscht

Ist zu erwarten, daß sie außer sich geraten, Feuer fangen, sich einen Ast lachen oder guter Dinge werden könnten, so tun sie alles: sie gehen ins Kino, lesen den Roman der Illustrierten, schalten das Fernsehgerät ein oder legen eine Schallplatte auf.

Kleiner Kunstkalender

Noch nie ist James Ensor (1860 bis 1949) in Deutschland so umfangreich gezeigt worden: 90 Bilder, 70 Aquarelle und Zeichnungen, das meiste aus belgischen Museen und Privatsammlungen.

Fernsehen: Kontraste

Die „Telebar“ – halb Castrop-Rauxel und halb Saint Tropez – bemühte sich mit grimmigem Charme zu beweisen, daß Langeweile langweilig ist und die Plauderei gelernt sein will.

Theater

Ein Jahr hatten die Auguren dem Musical „My Fair Lady“ in Berlin vorausgesagt. Es wurde im Theater des Westens 641mal gespielt, zwei Jahre lang.

Montag, den 9. September, die Analyse:: Massenmedien

Untersuchungen über die sozialen Elemente der geistigen Produktion wurden bis in die letzten Jahre bei uns gern vernachlässigt und geringgeschätzt, obwohl sie spätestens im Zeitalter der Massenmedien zur zwingenden Voraussetzung des Verhältnisses zwischen Autor und Publikum geworden sind.

Film: Goldener Löwe für Rosi

Von den Filmfestspielen in Venedig sagt man, sie lohnten die Reise an den Lido allein der vorzüglichen Retrospektiven wegen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Berichte und Dokumente über die Organisation, die Funktion und das Studium der Publizistik in der DDR, vor allem aber eine gründliche Einführung in die Grundzüge der marxistisch-leninistischen Pressetheorie.

Mehr als Essen und Bett

Der Schauplatz der „Hinterlassenschaft“: das Dorf zwischen Kreisstadt und Großstadt, eine reale Welt, der „Kral“, wird ein- oder zweimal erwähnt, und durch diese Beziehung weitet sich der Rahmen, der Autor kann es sich leisten, ökonomisch zu arbeiten.

Bahnbrecher des Kirchenbaus

Die hypnotische Wirkung, welche der Rückblick auf die über Gebühr berühmten „goldenen zwanziger Jahre“ auf viele Zeitgenossen ausübt, trübt so oft ihre Einsicht in die Tatsache, daß alles, was damals florierte und bis zu einem gewissen Grade allgemeingültig wurde, seine Wurzeln bereits in den Jahren zwischen 1900 und dem Ersten Weltkriege hatte.

Letztes Reservat persönlicher Freiheit

Über die unbewältigte Vergangenheit ist erst in den letzten fünf Jahren häufiger diskutiert und geschrieben worden. Dabei hat man die Frage nur selten gestellt, ob es denn eigentlich so wünschenswert wäre, daß die „unbewältigte“ sich bald in eine „bewältigte Vergangenheit“ verwandelt.

Was ist heute links?

Was ist heute links? Was links und was rechtssei, beantworteten wir als Kinder mit dem Witz: Links ist da, wo der Daumen rechts ist.

Ein gelernter Romancier

Sir Charles Snow ist ein „VIP“ („very important person“), einer der Prominenten Englands: Naturforscher, hoher Beamter, Träger vieler akademischer und staatlicher Ehrungen.

Demokratie ohne metaphysische Begründung

Es scheint, daß nunmehr eine Reihe von Legenden nachdrücklich in Frage gestellt werden, die unmittelbar nach dem letzten Kriege entstanden sind und die längste Zeit fast widerspruchslos hingenommen wurden.

Die Hälfte über den Wildwestfilm

Jean-Louis Rieupeyrout: „Der Western“ – Geschichten aus dem Wilden Westen – Die Geschichte des Wildwestfilms, mit einem Vorwort von André Bazin, aus dem Französischen von Barbara Kloeß, herausgegeben von Joe Hembus; ein City-Buch, Carl Schünemann Verlag, Bremen; 230 S.

Im Häuschen unter Wasser

Homo aquaticus – der Mensch der Zukunft? – Atmen mit stillgelegten Lungen Cousteaus Experiment, unter Wasser zu leben

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Die Wissenschaftler gewöhnten die Zellkulturen einige Wochen lang an Morphium. Dann fügten sie der Nährlösung plötzlich kein Morphium mehr zu.

Volleyball – olympisch

Volleyball wird olympischer Sport“, so entschieden die „Olympier“ bei ihrem 53. Kongreß 1957 in Sofia. 1895 hatte der Amerikaner William C.

So fing es an

Nicht von ganz ungefähr wurde Hamburg zur Wiege einiger Sportarten und Sportvereine auf deutschem Boden. Die Hamburger Turnerschaft kann auf das stolze Gründungsjahr 1816 verweisen und führt noch in unseren Tagen bei über 3000 Mitgliedern ein blühendes, mit ihren modernen Turnhallenbauten, den Spiel- und Gymnastikkreisen für Kinder und Manager und der Pflege, des in Turnerkreisen lange Jahre verpönten internationalen Leistungsturnens der Frauen ein geradezu wegweisendes Vereinsleben.

Ein Kavalier des Sports

Als Junge entdeckte ich eines Tages in der väterlichen Bibliothek ein Buch, das ich mit gleichem Heißhunger verschlang wie meine geliebten Wildtöter-Hefte.

Alkohol am Steuer erlaubt

Der Hüter der Schlafwagenordnung servierte einen Brandy und dazu ein Fläschchen Soda. Er stellte beides diskret auf den Ecktisch unter dem Spiegel, meinte, daß es mit dem Zahlen bis morgen.

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