Journalist: Herr Ben-gavriel, Sie sind, wem ich mich nicht irre, einer der ersten jüdischen, sicherlich aber der erste israelische Schriftsteller, der nach dem Krieg Deutschland besuchte und dessen Bücher wieder in Deutschland erschienen Sie haben hier eine große Reihe von Vorlesungen und Vorträgen gehalten und über beinahe alle Rundfunksender gesprochen. Sie gehören also nicht zu den gewöhnlichen Sight-seeing-Touristen, so daß ich eine Frage an Sie stellen kann, die eben nur Sie zu beantworten imstande sind. Ben-gavriel: Ich fürchte, Sie überschätzen mich. Eine ganze Anzahl –

J: Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche. Sie bringen andere Voraussetzungen mit. Vor allem den beobachtenden Blick des trainierten Publizisten, der das Objekt, in diesem Fall Deutschland, im Lauf der immerhin entscheidenden letzten zehn Jahre mehrmals gesehen hat und, dies ist nicht unwichtig, dessen Bücher in Deutschland sofort einen ganz außerordentlichen Erfolg hatten.

B: Glauben Sie nicht, daß diese letztgenannte Tatsache mich von vornherein unfähig macht, objektive Urteile in Deutschland zu fällen? Hat nicht der Erfolg die Eigenschaft, versöhnlich zu stimmen und einen zu veranlassen, manches zu übersehen oder zumindest nicht beim Namen zu nennen, was weiteren Erfolgen schaden könnte? J: Nur wenn der Erfolg ein ganz neues Ereignis ist... Hier meine Frage,“ auf die Sie mich eigentlich mit Ihrer letzten Bemerkung bringen: Was scheint Ihnen der Grund, oder besser die Ursache, dieses Erfolges – wobei es mir, dies möcht; ich betonen, nicht um eine literarische Analyse geht.

B: ... die ja in Deutschland nicht mehr Sitte ist und die, wie ich höre, auch nur in den allerseltensten Fällen Kriterium des Erfolges für ein Buch ist.

J: Damit, mögen Sie Recht haben.

B: Ihre Frage überrascht mich nicht. Sie wurde so häufig gestellt, daß ich mich schließlich selber fragte, was dahintersteckt. Nach einigem Zögern fand ich die Antwort: Ich und meinesgleichen, wir stehen in Deutschland sozusagen unter Denkmalsschutz.

J: Darf ich Sie bitten, diesen etwas paradoxen Aphorismus zu erklären?