Als die Internationale Kapitalgesellschaft mbH, Essen, im Januar 1962 den Brauerei-Fonds auflegte und seine Zertifikate je Stück zu 50,–DM anbot, stieß sie in der interessierten Öffentlichkeit auf sehr viel Zustimmung. Sogenannte Branchen-Fonds hatte es schon vorher gegeben, aber ein Fonds, der sich ausschließlich um die Getränke-Industrie kümmern wollte, war neu. Die psychologische Bereitschaft, hier mitzumachen, mußte zweifellos bei einem Getränkefonds (wer versteht schließlich nichts von Bier und Schnaps?) größer sein als bei einem Fonds traditioneller Prägung, der seine Aufgabe in einer möglichst breiten Risikostreuung sieht. Mit ihrer unkonventionellen Werbung sprach die Internationale Kapitalanlagegesellschaft überdies eine Sparerschicht an, der nüchterne Zeichnungsprospekte und Zeichnungsaufforderungen anderer Investment-Gesellschaften nicht viel zu sagen haben.

Wenn der Brauerei-Fonds dennoch ein relativ kleiner Fonds geblieben ist, dann liegt dies an der geringen „Placierungskraft“ der Gesellschafter der Internationalen Kapitalanlagegesellschaft. Es sind dies das Bankhaus Burkhardt & Co, Essen, zu 40 %, das Bankhaus Delbrück, von der Heydt & Co, Köln, zu 30 %, und die New York Hanseatic Corp. zu ebenfalls 30 %. Zwei mittlere Banken in der Bundesrepublik, die an dem Fonds ein „besonderes“ Interesse haben, stoßen rasch an die von der Konkurrenz gezogenen Grenzen. Selbstverständlich verkauft auch jede andere Bank Zertifikate des Brauerei-Fonds, aber nicht gerade mit heller Begeisterung. In erster Linie versucht jede Bank Zertifikate solcher Fonds an ihre Kundschaft zu veräußern, an deren Verwaltung sie selbst beteiligt ist. Deshalb bleibt dem Brauerei-Fonds im Grunde nichts anderes übrig, als über eine verstärkte Werbung unmittelbar an den Sparer heranzutreten und mit ständigen Propaganda-Aktionen im Bewußtsein der Sparer erhalten zu bleiben. Dennoch leidet der Fonds unter einer ständigen „Auszehrung“. Am 30 Juni 1962 waren noch 801 000 Anteile im Umlauf, am 30. Juni 1963 noch 784 000 und am 30. August noch 776 000 Stück. Die feste Aktientendenz der letzten Monate hat dem Brauerei-Fonds in dieser Hinsicht also alles andere als Impulse gebracht.

Als Grund für das Abwandern der Sparer nennt die Fonds-Verwaltung in der Hauptsache psychologische Ursachen. Viele Zeichner hätten, als sie ihre Ersparnisse hergaben, falsche Vorstellungen von den Möglichkeiten gehabt, die sich aus der Beteiligung an einem Brauerei-Fonds ergeben. Das, meine verehrten Leser, ist sicherlich der Fall gewesen, aber damit muß man rechnen, wenn man sich in der Werbung um den Sparer Formen bedient, die in der Bundesrepublik nicht üblich sind. Ich will diese Formen keineswegs verurteilen, aber ich weiß aus Erfahrung, daß es dem kleinen Sparer vielfach an dem kritischen Blick mangelt, hinter bunten Prospekten auch die Problematik der angepriesenen Anlage zu erkennen.

Ohne Zweifel war der Zeitpunkt der Fonds-Gründung – rückblickend betrachtet – nicht gerade günstig gewählt. Der Brauerei-Fonds geriet noch in die letzten Monate der scharfen Abwärtsbewegung hinein, was die Zertifikatsbesitzer, die auf rasche Erfolge gehofft hatten, zu Unrecht mißmutig stimmte. Doch – und das verdient herausgestellt zu werden – hat der Fonds seine ihm zugeflossenen Mittel sehr vorsichtig angelegt und sie lange Zeit flüssig gehalten. Flüssige Mittel konnten aber von der Baisse nicht erfaßt werden. So kam es, daß der Fonds in seinem Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 16. Januar bis zum 30. Juni 1962 mit ermutigenden Vergleichen aufwarten konnte. Es hieß darin: Der Ausgabepreis der Brauerei-Fonds-Anteile sind in dieser Zeit um 11,2 %, die Ausgabepreise aller deutschen Kapitalanlagegesellschaften um durchschnittlich 18,9 % und die deutschen Aktienkurse um 24,3 % gefallen. – Das sind eben Vergleiche, die hinken, denn nur Vergleichbares kann auch verglichen werden. Ein Fonds, der etwa 50 % seines Vermögens in ausländischen Wertpapieren angelegt hat, sollte niemals den deutschen Aktienindex zum Maßstab seines eigenen Erfolges machen. Die übrigen deutschen Kapitalanlagegesellschaften haben sich sehr energisch dafür „bedankt“, in derartig fragwürdige Vergleiche einbezogen zu werden.

In dem jetzt vorgelegten Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 1. 7. 1962 bis zum 30. 6. 1965 wird gesagt, wie sich der Fonds weiter entwickelt hat. Ende Juni lag der Ausgabepreis der Zertifikate bei 44,40 DM, er stieg in den letzten Tagen vor der Ausschüttung auf 51,90 DM. Die Zertifikatsbesitzer haben also die Baisse-Folgen des Jahres 1962 völlig überwunden. Das kann sie befriedigen, um so mehr, als die Brauerei-Aktien an der Auswärtsbewegung der letzten Wochen kaum, mehr als durchschnittlich teilgenommen haben. Fachkreise halten es nicht für ausgeschlossen, daß diese Titel stärker nachziehen werden, sobald es sich bestätigt, daß im Braujahr 1962/63 gut verdient worden ist.

Die Werterhaltung der Ersparnisse, wie sie beim Brauerei-Fonds eintrat, ist sicherlich in der Baisse-Zeit bereits ein Erfolg gewesen, aber letzten Endes kann sie nicht das einzige Ziel sein Schließlich will und soll der Sparer ja auch noch etwas verdienen. In dieser Beziehung haben beim Brauerei-Fonds übertriebene Vorstellungen bestanden. Sie konnten entstehen, weil sich viele Zeichner nicht darüber im klaren waren, daß Brauerei-Aktien bei der Gründung des Fonds trotz der Baisse noch recht stolze Kurse hatten und deshalb die Renditen bei ihnen bescheiden sein mußten. Die Ausschüttung von 2,40 DM je Zertifikat für einen Zeitraum von rund 18 Monaten konnte deshalb nicht viel besser sein. Auf den Erstverkaufspreis von 50 DM bezogen sind das 3,2 %, ein Satz, der hinter anderen deutschen Fonds mehr oder weniger weit zurückbleibt. Immerhin liegt er über der Durchschnittsrendite deutscher Brauereiaktien, die 2 bis 2,5 % ausmacht.

Aber sehen wir uns die Einnahmen des Fonds etwas näher an: Insgesamt betrugen sie in der Berichtszeit (1. 7. 1962–30. 6. 1963) 1,589 Mill. DM. Davon entfielen 24 % auf inländische Dividendeneinnahmen, 24 % auf ausländische Dividendeneinnahmen, 16 % auf Zinsen, 19 % auf realisierte Kursgewinne und 17 % auf Bezugsrechterlöse. Nicht einmal knapp die Hälfte der Einnahmen stammt also aus Dividendeneriösen. Auffällig ist der relativ hohe Anteil der Zinseinnahmen, der darauf schließen läßt, daß die flüssigen Mittel jederzeit recht hoch waren. Am Stichtag betrugen die Bankguthaben 5,6 Mill. DM, das waren 15,23 % des Fonds-Vermögens – und dies in einer Zeit steigender Kurse! Seit Ende des vergangenen – Jahres konnte man doch sehen, wohin die Reise an der Börse ging! Wenn man sich dennoch so flüssig hielt, so mußte dies besondere Gründe haben, die wohl in Verbindung mit dem steten Zwang zu suchen sind, ständig Zertifikate zurücknehmen zu müssen. Der Anteil der realisierten Kursgewinne ist beachtlich, denn hohe Gewinne konnten in der kurzen Zeit des Bestehens des Fonds noch nicht aufgelaufen sein. Realisiert wurden Kursgewinne bei franzözösischen und amerikanischen Aktien. Die beträchtlichen Bezugsrechterlöse sind wahrscheinlich nicht „gewollt“ entstanden, vielmehr dürfte die rückläufige Entwicklung des Anteilumlaufes die Ausnutzung von Bezugsrechten schwierig gemacht haben.