Es war eine klägliche Woche. Während man sich in Berlin, aus Anlaß der Funkausstellung, in hymnischen Reden erging, zeigten Erstes und Zweites Programm, wie man es nicht machen soll.

Die „Telebar“ – halb Castrop-Rauxel und halb Saint Tropez – bemühte sich mit grimmigem Charme zu beweisen, daß Langeweile langweilig ist und die Plauderei gelernt sein will. Auf ein Fernsehspiel von Rang wurde verzichtet, auch die Reporter schienen im Urlaub zu sein. Dafür bot man uralte Filme, gab Reprisen zum besten und zeigte den mürrisch gewordenen Kunden das Kriminalopusculum „Herr Lamberthier“ (Verneuil).

Es war ein Zweipersonenstück, das durch den Auftritt einer Zugehfrau nicht wesentlich gewann. Von Spannung konnte keine Rede sein; auch die Psychologie schien im Augenblick der Niederschrift des Stücks noch nicht erfunden zu sein. Immerhin nahm man gern zur Kenntnis, daß die junge Frau einen älteren Hausfreund besaß, von dem sich der Ehemann-Mörder erhoffte, er möge auch wirklich ihr Liebhaber sein: Sonst, so wurde mit messerscharfer Logik geschlossen, sei der angebliche Patenonkel ja ohne Grund ums Leben gekommen.

Nun, die Hoffnung des Täters fand sich, in schöner Weise bestätigt. Die Ehefrau hatte tatsächlich (widerwillig freilich, gemeiner Erpressung sich beugend) das Geglaubte getan.

Die Nemesis nahm ihren Lauf; der Mörder stellte sich im Polizeirevier Rue de Clichy; als Letztes nahm man noch das Treppenhaus und ein Geländer wahr, das an den Galgen gemahnte. Dann vergaß man das Stück, den Raskolnikow, die Zugehfrau und das elbische Weib, vergaß den Autor und die Regie und behielt nur den einzigen Trost, daß Mord aus Eifersucht in Frankreich milde Richter finden kann.

Welch Lichtblick war da doch der Abend mit Zahava, David und Zwi in Israel – eine kluge und sanft überzeugende Reportage von Wolf gang Kahle und Alois Kolb! Gestern und Heute, christliche Legende und jüdischer Alltag in scharfem Kontrast: hinter den orientalischen Juden im Bergwerk, dem deutschen Juden, der am See Genezareth fischt, der englischen Jüdin, die in Jerusalem Sprachen studiert, hinter dem Konzertsaal, vor dem bewaffnete Männer auf und ab patroullierten, sah man die sanften Schatten der galiläischen Berge, die weißen Blitze des heiligen Sees, die Mauern seiner Stadt Kapernaum und die Konturen jenes anmutigen Landes, in dem Jesus die glücklichen Jahre verbrachte –

Von einigen gewaltsamen Mauer-Vergleichen abgesehen, war der Kommentar knapp und präzis formuliert. Manches erschien vielleicht ein wenig harmonisiert, anderes, wie das Problem der Orientalisierung, wurde beiseite gelassen. Doch schadete das nichts; es war ein Film über ein Volk, das die Gnade des Nullpunkts energischer begriff als wir. Es war ein Film für uns; denn „jeder Jude, der heute noch lebt, lebt trotz uns“. Es ist gut, daß dieser Satz gesagt worden ist.