BAYRISCHER RUNDFUNK

Montag, den 9. September, die Analyse:

Untersuchungen über die sozialen Elemente der geistigen Produktion wurden bis in die letzten Jahre bei uns gern vernachlässigt und geringgeschätzt, obwohl sie spätestens im Zeitalter der Massenmedien zur zwingenden Voraussetzung des Verhältnisses zwischen Autor und Publikum geworden sind. Alphons Silbermann wies in seiner der Soziologie Karl Mannheims verpflichteten Analyse nach, daß das Verhältnis zwischen den großen Massenmedien Fernsehen, Rundfunk, Presse und ihrem Publikum nicht so unkompliziert und einschichtig ist, wie es dem Alltagsverstand erscheinen mag.

Alle drei Glieder des Verhältnisses Massenmedium und Publikum: der Kommunikator, die Kommunikation und der Kommunikant bedürfen einer sorgsamen Differenzierung. Daß der Kommunikator bei einer Fernsehsendung beispielsweise nicht einfach der Autor ist, sondern eingeschränkt und ergänzt wird durch die wirklichen und scheinbaren Notwendigkeiten nicht nur des technischen Apparates, ist gewiß eine Binsenweisheit. Nicht so bekannt ist, daß die Kommunikation selbst (die Sendung) nicht einfach das ist, was die Kommunikation enthält, da sie beim Kommunikanten auf Dispositionen stößt, die der Kommunikator nicht einkalkulieren kann.

Dies und die übergroßen Zahlen der Hörer führen leicht dazu, daß sich der Kommunikator verführt sieht, im Publikum eine Masse zu sehen, die ihm die Angst einflößende Reaktion suggeriert: Ich spreche jetzt zu Millionen. Indes, diese Haltung ist falsch, denn die räumliche Trennung von den Millionen von Kommunikanten bewirkt, daß sie Individuen bleiben. Und der Begriff „Masse“ erweist sich schließlich – wie nur zu oft – als vage und unbrauchbar. O. K.