Kellner brauchen Bankiers

Es passiert oft, daß man in Restaurants mit der Bedienung überhaupt nicht zufrieden ist, und ist man konsequent, dann bekommt der Ober kein oder nur ein lächerliches Trinkgeld. Um nun immer gut bedient zu werden, gibt es eine neue Trinkgeldsitte, die von einem reichen ölmagnaten eingefädelt wurde. Wenn man ein Menü bestellt, zerreißt man eine Banknote und gibt dem Kellner oder der Serviererin eine Hälfte. Dabei mag man einflechten, daß auch die zweite Hälfte folgen werde. Aber was geschieht, wenn man trotzdem nicht gut bedient wird? Für den Gast scheint es einfach. Er behält die zweite Hälfte und kann in einem anderen Restaurant mit dieser Hälfte wieder locken. Es wird nur peinlich, wenn er dieses Mal gut bedient wird. Für die Kellner ist es etwas schwieriger. Sie können mit einer Hälfte nicht viel anfangen. Das einzige, was ihnen bleibt, ist, eine Bank zu gründen, wo man den zerrissenen Schein wechseln kann. Vielleicht liegt für Bankiers hier ein neues Geschäft – und für Gäste die Hoffnung auf gute Bedienung?

Von so vielen Ehen, die sich in Krisen befinden, hörte und las der Besitzer des Hotels „Zum Goldenen Hirsch“ in Rothenburg ob der Tauber. Dem kann abgeholfen werden, sagte sich der Hotelier, und lud ein, die Flitterwochen ein zweites Mal in einer Dependance seines Hauses zu verbringen. Es wird eine regelrechte Kur verschrieben, mit wartendem Zweispänner vor dem Bahnhof, mit Biedermeiersträußchen in verschwiegenem Appartement hoch oben im Siebersturm und Abendessen bei Kerzenschimmer. Man muß sich nur etwas einfallen lassen – und die Ehekrise wird zum Ammenmärchen.

Rettet die Ehe