Nicht von ganz ungefähr wurde Hamburg zur Wiege einiger Sportarten und Sportvereine auf deutschem Boden. Die Hamburger Turnerschaft kann auf das stolze Gründungsjahr 1816 verweisen und führt noch in unseren Tagen bei über 3000 Mitgliedern ein blühendes, mit ihren modernen Turnhallenbauten, den Spiel- und Gymnastikkreisen für Kinder und Manager und der Pflege, des in Turnerkreisen lange Jahre verpönten internationalen Leistungsturnens der Frauen ein geradezu wegweisendes Vereinsleben.

Die Hamburger Turnerschaft von 1816 ist nicht nur der älteste deutsche Turnverein, sondern auch der älteste Leibesübung treibende Verein der Welt. Neben dem Jahnschen Turnen an den Geräten wurde in der HT 1816 nämlich von Anbeginn an auch das Laufen und Springen, man nennt es heute Leichtathletik, das Schwimmen, Fechten und Ringen gepflegt.

Daß dieser Verein in Hamburg entstand, hatte seinen guten Grund. In der alten und Freien Hansestadt herrschte nach Napoleons Niederlage und dem Abzug der Franzosen wieder das gewohnte liberale Leben. Die Bürger dieser Stadt besaßen mehr persönliche Freiheit als anderswo die Untertanen im großen Räume der fürstlichen Kleinstaaterei. Der hohe Hamburger Senat hatte nichts dagegen, wenn man sich in Vereinen zusammenfand, witterte beim Zusammenschluß von ein paar Bürgern nicht gleich Aufruhr und Revolte. Hamburg war ein günstiger Boden für neue Ideen, wie das Turnen eine war.

Die Eltern hatten Wilhelm Benecke‚ dessen Familie später sogar einen Hamburger Bürgermeister stellte, zur kaufmännischen Lehre aus der Hansestadt nach Berlin geschickt. Dort fand der junge, liberale Hanseat Anschluß an den nationalen Kreis um Friedrich Ludwig Jahn und turnte mit ihm auf der Hasenheide. Als „Kommis“, wie man damals sagte, kam der 18jährige 1816 an die Elbe zurück, begeisterte eine Gruppe Gleichaltriger für die neue Turnkunst und gründete mit ihr die HT 1816. Der Senat wies ihr eine alte Kirche als Turnhalle zu.

Dieses heute ungewöhnlich scheinende Bild, daß kaum den Kinderschuhen entwachsene Jugendliche Sportvereine gründeten, wiederholte sich in der deutschen Sportgeschichte dann noch oft. Selbst bekannte Fußball- und Schwimmvereine wurden von sportfreudigen Jugendlichen aus der Taufe gehoben.

Neben dem Turnen, das, wie gesagt, auch Lauf und Sprung umschloß, zählten am Beginn der deutschen Leibesübungen auch die anderen natürlichen Bewegungsformen des Menschen, das Schwimmen und das Ringen, zum sportlichen Programm der Jugend. General von Pfuel, den man später „Vater des Schwimmens“ nannte, schuf bereits 1817 in Berlin die erste preußische Schwimmschule in einer Badeanstalt, die seinen Namen erhielt. Hamburg folgte 1820 mit der Eröffnung eines Schwimmbades, und in Magdeburg gab es zehn Jahre danach sogar schon eine Schwimmhalle mit 80 Quadratmeter Wasserfläche.

Der Kuriosität halber sei hier eingestreut, daß das erste Radrennen der Welt 1829 in München ausgetragen wurde und zwar auf der Landstraße vom Karolinenplatz zum Nymphenburger Schloß. Natürlich trat man nicht die damals noch gar nicht erfundene Kurbel, die Fahrer saßen vielmehr rittlings auf den komischen Gebilden des Freiherrn von Drais und stießen sich kräftig mit den Beinen vom Boden ab. Der Sieger dieses ersten Radrennens der Geschichte, an dem 20 Fahrer teilnahmen, legte die 4,5 km lange Strecke in 31 Minuten zurück. Er gewann 20 bayerische Taler und wurde mit einer vom bayerischen König gestifteten Fahne geehrt.