Volleyball wird olympischer Sport“, so entschieden die „Olympier“ bei ihrem 53. Kongreß 1957 in Sofia. 1895 hatte der Amerikaner William C. Morgan im Springfield-College dieses Spiel „erfunden“, das 1964 bei den Spielen in Tokio seinen olympischen Start erleben wird. Kurzerhand hatte er das äußere Leder des Basketballs entfernt und die leichte Gummiblase seinen bewegungsfaulen Studenten gegeben, damit sie sie „über ein hohes Netz von einer Seite zur anderen und wieder zurückschlagen, ohne daß sie dabei zu Boden fällt“. Aus dem Zeitvertreib von gestern ist eines der spannendsten Spiele von heute geworden. Vor allem in der Tschechoslowakei, in Rußland und Rumänien zählt es zu den populärsten aller Sportarten. In der Sowjetunion steht Volleyball mit 3,5 Millionen hinter Leichtathletik (4,2) und weit vor Fußball (1,8) an zweiter Stelle. Jahrelang wurden abwechselnd die Russen oder Tschechen Weltmeister, bis im letzten Jahr Japan den Titel bei den Damen holte und auch bei den Männern als dritter überraschend gut abschnitt.

Volleyball liegt in der Bundesepublik immer noch. im Dornröschenschlaf. Nicht genug damit, daß wir im internationalen Vergleich unter „ferner liefen“ rangieren, auch sonst hat dieses so wundervolle spannende Spiel die Massen noch nicht erfaßt. Das liegt vor allen Dingen in der Organisations-Misere. Der Turnerbund (DTB) spielt Volleyball, ohne ihm bisher die nötigen Impulse gegeben zu haben. Nicht besser (wenn nicht gar schlechter) steht es mit dem Deutschen Volley-Verband (DVV), der 1957 gegründet wurde und (man darf es eigentlich gar nicht laut sagen) inzwischen ganze 1357 Mitglieder zählt. Die Zusammenarbeit zwischen dem DTB und dem DVV ist alles andere als erfreulich. Die bestehenden Differenzen werden noch vermehrt durch den Turnierspiel-Verband Bayerns und „Eichenkreuz“, die Sportvereinigung des „Vereins christlicher junger Männer“, die obendrein noch eigene Runden spielen. Und keiner findet sich, der endlich einmal alle auf ein Volleyballfeld bringt.

Dabei hätte es das Volleyballspiel verdient, mit allen Kräften „volkstümlich“ gemacht zu werden. Die geringe Spielfeldgröß (9 mal 18 m), die es in jeder Halle und im letzten Winkel des Sportplatzes ermöglicht, eignet sich als Ausgleich für Leichtathleten, Fußballer, Schwimmer, Ruderer, die ihre Reaktionskraft schärfen und bei allseitiger Beanspruchung vor allen Dingen ihre Sprungkraft stärken wollen und sein spielend leicht zu erlernendes Regelwerk geben ihm die beste Zukunft. Doch wer nimmt sich seiner an? Gerade auf dem zweiten Weg für den „unterentwickelten Zeitgenossen“ ist es ideal. Es könnte z. B. so etwas werden wie „Fußball“ der Frauen. Kein Spiel eignet sich besser als Volleyball für die Freizeitsportler!

Die für das Spiel notwendigen zweimal sechs, die mitmachen müssen, sind überall zu finden, ebenso das notwendige Netz. Und schob kann das „Pritschen“, das Abspiel mit beiden Händen in Kopfhöhe, beginnen. Leichter geht’s doch wirklich nicht. K. Hage