Von Bernd Huffschmid

Als kürzlich der ebenholzschwarze Präsident eines jungen afrikanischen Staates in Bonn vorsprach, ging es unter anderem auch um Dorfschmieden. Um deftige Dorfschmieden mit Ambossen und Hämmern, mit Essen und Blasebälgen und auch wohl um Schraubstöcke und moderne Schweißgeräte. Der Präsident, der vor gar nicht allzu langer Zeit noch Stammeshäuptling war, kam aus einem Dorf am Rande des Urwaldes, und er kannte die Sorgen seiner Landsleute aus eigener praktischer Erfahrung.

Er vertrat die vernünftige Ansicht, daß es bei der Entwicklungshilfe, die auch die Bundesrepublik für sein Land in Aussicht gestellt hatte, keineswegs in erster Linie auf die Errichtung eines Stahlwerkes ankomme. Auch nicht auf kostspielige Staudämme und moderne Flugplätze für Düsenflugzeuge, sondern ganz einfach auf einige Dutzend, lieber noch auf einige Hundert Dorfschmieden, die imstande sind, einen Ackerpflug zu reparieren, ein Ochsenjoch mit Eisenklammern zusammenzuhalten, eine Brunnenkette auszubessern und hier und da ein Fahrrad wieder flott zu machen.

Die Fachleute in Bonn klatschten Beifall. Denn das war es ja, worauf es den bundesdeutschen Entwicklungshelfern ankommt: die ersten einfachen Schritte zu tun, bevor Großprojekte in Angriff genommen werden. Zuerst den Effekt der heimischen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern verbessern, zuerst kleine und mittlere Hilfsbetriebe auf die Beine stellen, zuerst dem Handwerk helfen, bevor Fabriken gebaut und Schornsteine errichtet werden. Ein Teil der zugesagten Entwicklungshilfe wurde also für die Einrichtung einer großen Anzahl Dorfschmieden im Urwald vorgesehen.

Als man sich darüber einig war, welcher Betrag für die Einrichtung einer Dorfschmiede anzusetzen sei, und als gemeinsam beschlossen worden war, daß soundsoviele Schmieden, Schlossereien, Gerbereien und sogar eine kleine Eisengießerei. errichtet und mit zweckmäßigem Handwerkszeug und Hilfsmaschinen ausgestattet werden sollte, kam ein Punkt, an dem plötzlich die Meinungen auseinandergingen.

Unser Präsidenten-Stammesfürst bedankte sich herzlich für die zugesagte Entwicklungshilfe und wollte den Scheck gleich in Empfang nehmen. Er habe nämlich auf seiner Rundreise in Europa festgestellt, daß die benötigten Einrichtungen für seine Dorfschmieden am schnellsten und günstigsten nicht gerade in der Bundesrepublik, sondern nebenan, dort drüben bei einem der zahlreichen Industrienachbarn Deutschlands, einzukaufen seien. Er werde von Bonn aus gleich hinfahren und die Bestellungen ...

Enttäuschung in Bonn. Nicht nur Enttäuschung, sondern geradezu eine kräftige Verstimmung, um nicht zu sagen Verärgerung. Man habe damit gerechnet – gab man dem afrikanischen Gast zu verstehen –, daß das benötigte Material für die Dorfschmieden in der Bundesrepublik eingekauft werde. Und daß überhaupt der gesamte Betrag, den die Regierung dem jungen Staat als Entwicklungshilfe zur Verfügung stelle, auf ein Verrechnungskonto überwiesen und nicht in bar ausbezahlt werde. Die deutsche Industrie sei durchaus in der Lage und willens, sämtliche Lieferwünsche der Afrikaner zu erfüllen. Mit einem Wort: man habe selbstverständlich vorausgesetzt, daß der zugesagte Entwicklungskredit „liefergebunden“ sei.