Ich würde mich freuen, wenn Sie in Ihrer dieswöchigen Ausgabe diese Stellungnahme zu Ihrem Artikel „Der Fall Hofstätter“ veröffentlichen.

Nach Veröffentlichung eines Kurzkommentars von Erich Lüth in meiner „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland“ vom 2. August hat Professor Hofstätter nichts unternommen, um die in diesem Artikel enthaltenen Zitate zu dementieren oder richtigzustellen. Das hat mich veranlaßt, mich bei mehreren Teilnehmern über den Gesprächsabend des Liberalen Studentenbundes vom 19. Juli zu informieren. Die übereinstimmende Auskunft über die Formulierungen Professor Hofstätters ließ mich zu dem Entschluß kommen, an die Elite des deutschen Volkes zu appellieren, sich zu der Frage zu äußern:

Was sagen die Angehörigen der ehemaligen deutschen Wehrmacht zu den Gedankengängen Hofstätters? – „Die Ausrottung der Juden war im juristischen Sinne kein Mord. Hitler und der nationalsozialistische Staat hatten den Juden quasi den Krieg erklärt, und so entsprach es allein dem, diesen Feind auszurotten. Die Tötungen wurden ausgeführt von Soldaten in Uniformen einer Nation, die sich im Kriegszustand befand. Als Morde könnten nur solche Taten angesehen werden, die vor Kriegsanfang lagen.“

Professor Hofstätter hat dann später noch einer Wochenzeitung die von mir zitierten Behauptungen bestätigt.

Die Empörung über die Äußerungen Hofstätters zeigte sich in einer Vielzahl von Briefen an meine Redaktion. Ganz bewußt ließ ich dann in meiner Ausgabe vom 30. August 1963 in--der Hauptsache die Vertreter der Gruppe zu Wort kommen, die von dem Professor der Psychologie am meisten beleidigt, sogar belastet wurden: Offiziere der früheren deutschen Wehrmacht.

Sie greifen in Ihrem Artikel vom 6. September eine Bemerkung des Generalmajors Graf Baudissin auf, der in seinem Brief u. a. schrieb: „... wenn Professor Hofstätter das gesagt hat...“ Ich darf Ihnen darauf erwidern, daß ich selbst, als ich den ersten Bericht von dem Ausspracheabend des 19. Juli erhielt, meinen Mitarbeitern gegenüber erklärte: „Wenn Professor Hofstätter das gesagt hat, dann ist das ungeheuerlich ...“

Ich überzeugte mich jedoch durch eingehende Nachforschungen, daß das Ungeheuerliche tatsächlich ausgesprochen worden war. Sie aber schrieben, daß weder der Form noch der Intention nach diese Formulierungen von Hofstätter stammen konnten, obwohl Sie zu diesem Zeitpunkt, Ihrer eigenen Aussage zufolge, nur eine einzige Unterhaltung mit ihm gehabt hatten und ohne am 19. Juli bei der Aussprache dabeigewesen zu sein.