Arnulf Baring fordert im „Monat“ (Nr. 180) „Noch eine Republik“. Damit meint er, daß es in der Bundesrepublik nicht so bleiben dürfe wie bisher. Er kommt von der „Spiegel“-Affäre auf den Mangel an Informationsbereitschaft der Regierenden, von den großen Schulklassen auf die kleinen Spielplätze, von der Ballung der Miethäuser zu dem nicht mehr zu überraschenden Schluß, das Ende der Ära Adenauer müsse auch das Ende der Ära Erhard sein. Es gehe um einen neuen politischen Stil, bei dem den Massen mehr Gelegenheit gegeben werden müsse als bisher, sich zu bewähren. Wir hätten bis jetzt zu wenig Demokratie gehabt, sie müsse vermehrt werden. Das bedeute auch, daß die regierende Partei den Intellektuellen größere Bedeutung zusprechen müsse. Sie müsse mehr als bisher aus wissenschaftlichen Gutachten und Beiräten Nutzen ziehen und die besten Köpfe des Landes an der Lagebeurteilung teilnehmen lassen.

Allianz Washington – Moskau?

In den „Politischen Studien“ (Nr. 151) entwickelt Hans Lehmann höchst pessimistische Betrachtungen über das Moskauer Abkommen, das die Atomversuche beenden soll. Er fragt argwöhnisch, ob sich etwa allmählich eine Allianz Washington–Moskau gegen die übrigen Mitglieder des atlantischen Bündnisses bilde. Kundige Beobachter behaupten, so meint Lehmann, dieses Bündnis sei in vierzig Briefen zwischen Kennedy und Chruschtschow bereits ausgehandelt worden. Den beiden komme es jetzt nur noch darauf an, die schwächeren Verbündeten zum Mitmachen zu überreden. Lehmann fragt besorgt, ob das atlantische Bündnis überhaupt noch sinnvoll und nicht überflüssig geworden sei.

Sonne und Amore

In den „Frankfurter Heften (Nr. 6, 7 und 8) bringt Helmut Kentler unter der Überschrift „Sonne und Amore“ den Bericht über seine Erlebnisse in einem deutschen Jugendlager in Sizilien. Er schreibt in vorbildlich knapper Form, ohne ein Wort der Anklage oder Entschuldigung, ohne Pathos und Sentimentalität, in einer Nüchternheit, die der Wahrheitsliebe entspringt und darum stets fesselt, stellenweise erschüttert. Das Bild, das er entwirft, ist freilich nicht eben ermutigend: Aufenthalt ohne den Versuch, eine innere Beziehung zu dem Lande herzustellen, in dem man nun lebt; die größte Sehnsucht: braun werden, dafür Stumpfheit vor den Trümmern von Syrakus; Photographieren vornehmlich um des sozialen Prestiges willen, das die heimgebrachten Abzüge einbringen werden; schnell gefundene und schnell gelöste erotische Beziehungen ohne innere Erlebnisse, die Mädchen fordernder als die Jungen; in Rom, der Hauptstation auf dem Heimwege, Verschmähen des Stadtplans, Herdenlaufen zum Petersdom, anschließend Vino rosso. Das Beste: Kameradschaftlichkeit.