Die für Dezember anberaumte Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wird lediglich das geschäftsführende Präsidialmitglied Dr. Gerhard Erdmann verabschieden, der dann als 67jähriger seinen wohlverdienten Ruhestand antritt. Präsident Dr. Hans-Constantin Paulssen wird demgegenüber noch an der BDA-„Regierung“ bleiben, obwohl im Frühjahr dieses Jahres, als Bundesminister a. D. Professor Balke zum BDA-Vizepräsidenten und designierten Paulssen-Nachfolger gekürt wurde, das Jahresende ziemlich verbindlich für die Präsidenten-Neuwahl festgelegt wurde. Paulssens Amtszeit läuft dann auch aus. Nun glaubt man aber, auf zwei an der Arbeitgeberfront so bewährte Kämpen nicht gleichzeitig verzichten zu können – und dazu kurz nach einer Regierungsneubildung. Paulssen soll also noch einige Monate (etwa bis Mitte nächsten Jahres) in Amt und Würden bleiben, auf daß das Arbeitgeberschiff nicht vom rechten Kurs abkomme. Seine Präsidentschaft muß also im Dezember entsprechend verlängert werden.

Dies hat zu wilden Kombinationen Anlaß gegeben. So wurde Professor Balke prompt als aussichtsreicher Kandidat für ein Ministeramt im kommenden Kabinett Erhard genannt. Balke selbst, der bekanntlich von Dritten über seine vorjährige Entlassung aus dem Kabinett informiert wurde, hat von seinem angeblichen „Comeback“ wiederum erst aus der Presse erfahren. Eine etwaige Rückkehr in die große Bundespolitik war also nicht der Grund, die Verschiebung der Präsidenten-Neuwahl zu beschließen – ein Beschluß, der übrigens schon im vergangenen Monat gefaßt wurde.

Was war aber dann der Grund? Die offizielle Version, Paulssen und Erdmann könnten nicht gleichzeitig entbehrt werden, überzeugt deshalb nicht sonderlich, als man sich hierüber schon im Frühjahr des Jahres hätte im klaren sein können. Und an der Qualifikation Balkes, der überdies zum neuen Bundeskanzler einen ausgezeichneten Draht hat, ist auch kaum zu zweifeln.

Balke hat sich freilich nie sonderlich danach gedrängt, als Arbeitgeber-Präsident Karriere zu machen. Er hat denn auch der Fortsetzung seiner Kronprinzen-Rolle ohne weiteres zugestimmt. Insofern unterscheidet sich die Wachablösung am Hansaring in Köln auch entscheidend von der im Bonner Palais Schaumburg, wenn auch eine gewisse Ähnlichkeit beider Vorgänge nicht ganz von der Hand zu weisen ist. cha.