Von Bernd Huffschmid

Kiruna, im September

Die beste Autostraße Nordschwedens liegt mehr als 100 Kilometer nördlich des Polarkreises. Sie beginnt in den Außenbezirken der kleinen Stadt Kiruna, führt nach kurzer Anfahrt mit einem Gefälle von zehn Prozent in den großen Erzberg hinein und bringt täglich 1700 Arbeiter in modernen, mit alpinen Bremsen ausgerüsteten Omnibussen zu den Abbaupunkten, an denen bis zu einer Tiefe von 420 Metern jährlich 13 Mill. t hochwertiges Erz gewonnen werden. Die Straße ist zwar nur einige Kilometer lang, und die Hauer erreichen ihre Arbeitsplätze schon in fünf Minuten. Aber noch vor zwei Jahren dauerte die Anfahrt mehr als eine halbe Stunde.

Die Grubenverwaltung ist stolz auf diese technische Verbesserung; denn die produktive Arbeitszeit „vor Ort“ ist dadurch um etwa 5 % verlängert worden. Die ein- und ausfahrenden bequemen Omnibusse sind ein besonders augenfälliges Symbol für die vorwärtsdrängende Rationalisierung, die den gesamten schwedischen Erzbergbau seit einigen Jahren kennzeichnet.

Das Eisenerz ist neben dem Holz der unermeßlichen skandinavischen Wälder der größte Reichtum des Landes und hat Schweden zu einem der bedeutendsten Erzproduzenten und Erzexporteure der Welt gemacht. Im vergangenen Jahr wurden 21 Mill. t gefördert und davon rund 19 Mill. t exportiert. Das Jahr 1961 war mit 23 beziehungsweise 21 Mill. t ein Rekordjahr. Die deutschen Hüttenwerke sind seit je besonders stark an Schwedenerz interessiert, weil es im Vergleich zu den eisenarmen deutschen Vorkommen einen Eisengehalt von etwa 60 % hat. 1962 haben unsere Hütten bei einer Gesamteinfuhr von 29 Mill t rund 8 Mill. aus Schweden bezogen. Nach dem Eisengehalt waren das 30 %.

Die Erzberge in Kiruna und Luossavaara mit den in der Nachbarschaft liegenden Erzbeständen in Svappavaara und Malmberget, deren Vorräte insgesamt auf etwa 3 Mrd. t geschätzt werden, sind das wichtigste und ergiebigste Zentrum des schwedischen Erzbergbaus. Das Erz aus Lappland – wie Nordschweden auch heute noch besonders von ausländischen Besuchern genannt wird – erbringt rund 80 % der gesamten Erzförderung. Der Rest kommt aus den mittelschwedischen Gruben.

Die Erzlager des Nordens gehören der Luossavaara-Kiirnnavaara Aktiebolay, die überall nur mit ihren Anfangsbuchstaben als LKAB zitiert wird und sich selbst als die größte Erzexportgesellschaft der Welt bezeichnet. Das Unternehmen, das mit einem Aktienkapital von 500 Mill. Schwedenkronen ausgestattet ist, befindet sich heute zu 95 % im Besitz der öffentlichen Hand. Die sozialistische Regierung Schwedens mischt sich jedoch nicht in die Leitung des Unternehmens ein und hemmt vor allem in keiner Weise die Initiative der leitenden Männer, die seit Jahren mit geradezu leidenschaftlicher Begeisterung die Modernisierung des Erzbergbaus betreiben.