Von Klaus Klein

Wo nicht am besten, so ist es doch am leichtesten, seit Goethes Mephisto dazu riet immer noch, wenn man nur einen hört. Aber nicht zufällig erscheint dieser bequeme Ratschlag schon bei Goethe als teuflisch. Als eine unserer Aufgaben ist es uns daher immer wieder erschienen, auch die andere Seite zu zeigen. Wir finden – also beispielsweise – die Besteuerung der Schriftsteller engherzig und frei von jener Großzügigkeit, ohne die das Musische (falls man davon noch reden darf) nicht gedeihen kann. Ein Steuerfachmann, der sich bemüht, die Dinge ganz objektiv zu sehen, mag zu anderen Entscheidungen kommen. Wir geben ihm das Wort. Vielleicht haben dazu nun wieder die Schriftsteller etwas zu sagen.

Schweres Geschütz fährt DIE ZEIT in Wort und Bild gegen die Besteuerung der Schriftsteller auf. Mir ähneln diese humorig-ingrimmigen Philippiken zu sehr einer Stellungnahme, wie sie ein Bundesverband der Deutschen X-Industrie in gleicher Lage abgeben würde, als daß ich nicht einige Korrekturen anbringen möchte.

Grundsätzlich ist zu allem Wehklagen über die Steuerlast zu sagen, daß die Steuer, die jeweils nur einen Bruchteil des Einkommens oder des Umsatzes ausmacht, beim Stagnieren dieser Erfolgsgrößen als besonders drückend empfunden wird. Irgendwie zäumt man da das Pferd vom Schwanz auf. Statt mehr Einnahmen wünscht man weniger Ausgaben; am besten weniger solche Ausgaben, die keine Gegenleistung einbringen: weniger Steuern.

Wer über zu hohe Steuern klagt, will entweder

  • nur ebensoviel Steuern zahlen wie alle anderen auch; mit anderen Worten: Er fühlt sich in seinem besonderen Fall zu hoch belastet; die Schriftsteller scheinen das bei der Einkommensteuer zu empfinden, wo man ihnen nicht alle beruflichen Ausgaben zum Abzug zulasse –

oder