Die Braun AG, Frankfurt/Main, eine Gesellschaft, die der Elektro-Branche zuzuordnen ist, hat ihr Kapital um 10 auf 22 Millionen DM erhöht. Von den 10 Mill. DM neuer Aktien sind 6 Mill. Stammaktien und 4 Mill. DM stimmrechtslose Vorzugsaktien mit einer Dividendengarantie von 6 %. In die Satzung soll eine Bestimmung aufgenommen werden, wonach der Dividendenanspruch auch für frühere Jahre nur mit Zustimmung der Vorzugsaktionäre eingeschränkt werden kann, und zwar müssen 75 % der Vorzugsaktionäre dafür sein. Das ist eine faire Bestimmung, die jeden Mißbrauch des Großaktionärs ausschließt. Sie ist wichtig, denn Herr im Hause bleibt auch nach der Kapitaltransaktion die Familie Braun, die auch die 6 Mill. DM Stammaktien übernimmt, während die 4 Mill. Vorzugsaktien zum Teil von einer schweizerischen Finanzgruppe unter Führung der Baseler Handelsbank gezeichnet werden. Nach durchgeführter Transaktion hält die Familie Braun bzw. deren schweizerische Holding-Gesellschaft (die Braun Verwaltungs-GmbH, Baden) immer noch 95 % des Gesamtkapitals.

Ziel der Kapitalerhöhung, die zu einem Durchschnittskurs von 230 % erfolgt, ist es, ausreichende Mittel für den weiteren Ausbau der Vertriebsorganisation, insbesondere im Ausland, sowie für neue Entwicklungsvorhaben zu schaffen. Außerdem soll die Finanzstruktur verbessert werden. Es fließen der Gesellschaft durch die Transaktion auf dem Papier 22 Mill. DM neu zu. Über 50 % werden allerdings durch Sacheinlagen eingebracht, je zur Hälfte durch Einbringung der Aktien der Braun Elektric International S. A. in Basel, die damit eine Tochter der Braun AG wird, und durch Umwandlung von Darlehnsforderungen.

Nach der Kapitalerhöhung erreichen die Eigenmittel etwa 43 Mill. DM. Die Relation zwischen Fremd- und Eigenkapital verbessert sich dadurch auf 50 : 50. Damit ist zweifellos eine gesunde Basis geschaffen. Für das am 30. September endende Geschäftsjahr ist ein befriedigender Abschluß zu erwarten. Mit einer Ausschüttung von mindestens 12 % Dividende (wie für 1961/62) kann gerechnet werden.

Die finanzielle Neuordnung der Braun AG ist die Voraussetzung für die Einführung der Aktien der Gesellschaft in den Börsenhandel, die für das nächste Jahr vorgesehen ist. Bis Ende 1965 sollen die Aktien an deutschen und wichtigen europäischen Plätzen auch amtlich gehandelt werden können. Natürlich macht sich die Börse heute bereits Gedanken über den Kurs der Papiere. Der diesmalige Ausgabekurs von 230 % dürfte allerdings kaum den Vorstellungen der bisherigen Alleininhaber entsprechen. Hinzu kommt, daß die schweizerische Finanzgruppe ja auch einen Nutzen kassieren will. Entscheidend für die Bewertung wird die Bilanz per 30. September 1963 sein, denn sie läßt wahrscheinlich Anhaltspunkte für die tatsächliche Ertragskraft erkennen.

Nach den bisherigen Plänen sollen nur für einige 100 000 DM Stammaktien an die Börse gebracht werden, während für den eigentlichen Handel die Vorzugsaktien gedacht sind, die noch vermehrt werden können. Allerdings ist vorerst an eine weitere Kapitalerhöhung nicht gedacht. Nach den bisherigen Erfahrungen dürften die Stammaktien teurer als die stimmrechtslosen Vorzugsaktien werden. Einmal bewertet die Börse Stammaktien grundsätzlich besser als Aktien ohne Stimmrecht (es sei denn, der Ertrag läßt nur eine Ausschüttung auf die Vorzugsaktien zu), zum anderen kann man heute schon bei den Stamm-, aktien der Braun AG eine empfindliche Marktenge voraussagen. K. W.