Es kam ein alter Schulkamerad und sagte: „Verstehst du das?“

„Was?“

„Folgendes: Da hat der SPD-Abgeordnete Blachstein aus Eurem Hamburg den Walter Ulbricht einen ‚Stalinisten’ genannt. Der aber will keiner mehr sein. Denn er küßt ja Chruschtschow immerzu. Kaum landet der Herrscher aller Reussen in Berlin, steht Ulbricht schon mit offenen Armen und gespitzten Lippen da, um ihn zu küssen.“

„Und das verstehst du nicht?“

„Anders Mao Tse Tung!“ so fuhr er unbeirrt fort. „Anders als der deutsche, hält der chinesische Kommunistenführer das Andenken Stalins in Ehren, ganz egal, ob dem die Hände vom Blute triefen. Und er wirft Chruschtschow vor, die Leiche Stalins nicht nur öffentlich aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau entfernt, sondern heimlich sogar verbrannt zu haben. Hast du das gelesen?“

„Na, gut“, sagte ich, „die Chinesen und dieRussen verstehen einander nicht mehr. Das ist doch bei dem Lauf, den die politischen Sachen genommen haben, ganz verständlich.“

„Das Unverständliche kommt ja noch“, sagte er. „Mao Tse Tung wirft Chruschtschow vor, dieser sei selber ‚Stalinist’ gewesen! Und nicht genug damit: Er habe auf Stalins Befehl die Menschen gefoltert und gemordet – massenweise. Die chinesischen Zeitungen sind voll davon. Verstehst du das?“