Von Sigmund Chabrowski

Zucht und Ordnung herrschten anno dazumal im Militär-Waisenhaus der württembergischen Könige, auf dessen Hof dereinst der junge Friedrich Schiller exerzierte. Im „Waisenhaus“, wie die Stuttgarter noch heute den Gebäudekomplex am Charlottenplatz nennen, residierte bis vor kurzem das „Präsidium des Bundes der Steuerzahler“. Ort und Tradition verpflichten; spartanische Einfachheit sowie Disziplin (im Geldausgeben) werden auch beim Steuerzahler-Bund groß geschrieben.

In Schriften und Worten „Männerstolz vor Königsthronen“ zu beweisen, auch darin stehen die Steuerzahler-„Rebellen“ von Stuttgart ihrem großen Dichter-Vorbild kaum nach. Die Ziele sind satzungsgemäß klar vorgesteckt: Reform der Verwaltung, insbesondere des Finanz- und Steuerwesens; Einordnung der Finanzwirtschaft der öffentlichen Hand in die Gesamtwirtschaft; Wahrung rechtsstaatlicher Normen im Abgabenrecht; Festigung des Vertrauensverhältnisses zwischen Steuerzahler und Finanzverwaltung.

Diesen Zeilen wird sich das „Präsidium“ auch verpflichtet fühlen, wenn es in Wiesbaden seine Zelte aufgeschlagen haben wird, um „näher am Schuß“, näher an Bonn zu sein. Die Stuttgarter Randlage (Südwestecke) erwies sich überdies für eine streng föderalistisch gegliederte Organisation, wie sie der Steuerzahler-Bund darstellt, als ein schweres Handikap. Als ein kostspieliges dazu, denn die Spesen der Vertreter der norddeutschen Landesverbände bei Reisen zur Stuttgarter Zentrale waren eben nicht gerade niedrig. Wie gesagt, Sparsamkeit ist beim Bund der Steuerzahler oberstes Gebot.

Das muß aber auch so sein; denn Geld ist dort knapp. Das gilt insbesondere für das „Präsidium des Bundes der Steuerzahler“, der ein eingetragener Verein ist und finanziell von der Gnade der zehn gleichfalls selbständigen Landesverbände abhängig ist. Zur Zeit erhält der Dachverband eine „Präsidialumlage“ der Landesverbände in Höhe von 15 % der Mitgliedsbeiträge.

Dabei summieren sich die Mitgliedsbeiträge zu ansehnlichen Beträgen. Ende Juni 1963 konnten die Landesverbände 155 000 Mitglieder nachweisen. „Damit sind wir größer als die Freie Demokratische Partei und nähern uns dem Mitgliederbestand der Christlich-Demokratischen Union“, sagt man dazu nicht ohne Stolz in Stuttgart. Da der Jahresbeitrag durchschnittlich knapp 20 DM beträgt, stehen dem Verband jährlich rund 3 Mill. DM zur Verfügung.

Doch gibt es in der Bundesrepublik mehr als 50 Millionen Steuerzahler, da jeder Bürger der Bundesrepublik mit Verbrauchssteuern belastet ist. Die Zahl der Lohn- und Einkommensteuer-„Pflichtigen“ liegt derzeit bei etwa 26 Millionen, so daß sich der Mitgliederbestand des Bundes der Steuerzahler alles in allem doch recht bescheiden ausnimmt. Aber die 155 000 Mitglieder stellen immerhin eine Art „Elite der Steuerzahler“ dar, womit sich die Stuttgarter trösten können. Steuern zahlt zwar niemand gern, auf die Bürokratie ist auch kaum jemand gut zu sprechen; aber allein deshalb schon Mitglied des Steuerzahler-Bundes zu werden und Monat für Monat sein Scherflein in die Verbandskasse zu entrichten, das ist hierzulande nicht jedermanns Sache. Man will sich auch nicht unbedingt „exponieren“; viel lieber schimpft man still vor sich hin.