Humor ist meist ein guter Exportartikel. Zwar gibt es überall einen im besten Sinn bodenständigen Humor, der sich nicht verpflanzen läßt: Man braucht zum Beispiel nur zu versuchen (neulich hat’s einer versucht), Wilhelm Busch ins Englische zu übersetzen. Aber im großen und ganzen ist die humoristische Literatur international wie der Wolkenkratzer oder der Nagellack.

Die zweiundvierzig Skizzen von

Ephraim Kishon: „Arche Noah, Touristenklasse“ – Neue Satiren aus Israel, ins Deutsche übertragen von Friedrich Torberg; Albert Langen/Georg Müller Verlag, München; 207 S., 14,80 DM

sind gut gedrechselte Arbeiten eines routinierten Könners, manche Witze haben jedoch einen recht langen Bart, und vor allem, alte Lustspielsituationen, die schon in der Blütezeit der Fliegenden Blätter Dienst getan haben, werden wieder aufgewärmt: die ehrbare Ehefrau, die in ein Hotel für Liebespaare gerät, das unerwünschte Geschenk des reichen Onkels, die Leiden eines „werdenden Vaters“, das egozentrische Geschwätz eitler Künstler. Und die Verulkung spiritistischer Séancen oder der antibiotischen Wundermittel ist auch nicht viel origineller und sicher nicht gerade typisch für Israel.

Aber drei oder vier Skizzen in dieser Sammlung (wie schon ein früheres Buch) zeigen, daß Kishon auch anders kann. Wenn er die Maske des aalglatten internationalen Witzblatthumoristen ablegt und von Dingen spricht, die ihm, als einem israelischen Schriftsteller, auf den Nägeln brennen, ist er in seinem wahren Element. Dann wird er ein zorniger Mann, der sich vor goldenen Rücksichtslosigkeiten nicht scheut und in seinen bittersten Satiren die besten Späße macht.

Ludwig Fürst