Im Brennpunkt des Gesprächs:

Ein neuer Roman von Günter Grass scheint uns – wie vor einigen Wochen Bölls „Clown“ – wieder einmal ein Grund, unseren Lesern den Gegenstand der Kritik von mehreren Seiten zu beleuchten. Es kommt im Geistigen primär nicht auf „Linien“ an, sondern auf Freiheit. Das sagt sich so schön und praktiziert sich so schwer. Aus Platzgründen können auch wir uns diesen „Luxus“ viel seltener leisten, als wir möchten. Nach dem heutigen Beitrag von Klaus Wagenbach hoffen wir, in den nächsten Nummern Stellungnahmen von Ivan Nagel und Marcel Reich-Ranicki zu veröffentlichen.

Von Klaus Wagenbach.

Was ist eine „Reprise“? Ist „Der Tod in Venedig“ die des „Tonio Kröger“? Sind die dem „Graf Öderland“ folgenden Werke Frischs (sämtlich dem Identitätsproblem gewidmet) Reprisen? Sind es die Erzählungen des Bandes „Ein Hungerkünstler“ gegenüber der frühesten, „Erstes Leid“?

Was ist „eine Ausbreitung schon längst bekannten Materials“? „A la recherche du temps perdu“? „Les Rougon-Macquart“? „La Comédie Humaine“?

Was sind „seitenlange Explikationen“? Sind das sechzig Seiten Beschreibung der Schlacht bei Borodino in „Krieg und Frieden“? Ist es „Salammbô“ insgesamt?

Sind solche Aussetzungen von Walter Jens gegenüber den „Hundejahren“ (so wahr, so nachweisbar sie im einzelnen sind, das soll nicht bestritten werden, davon soll hier nicht die Rede sein) prinzipiell richtig?