Die Pariser Börse hat den umfassenden Plan der französischen Regierung zur Stabilisierung der Preise mit Gelassenheit und Zurückhaltung aufgenommen. Es ist wenig wahrscheinlich, daß die Auswirkungen dieses Planes, wenn die Regierung den Forderungen der Gewerkschaften und der Landwirtschaft standhält, einen nennenswerten Druck auf das Kursniveau ausüben. Wohl aber wird in den nächsten Monaten mit einiger Zurückhaltung operiert werden, die sich in mehr oder weniger großen Kursschwankungen niederschlagen dürfte.

Spätestens bis zum 23. September soll die Verordnung über die Zulassung von Investment-Fonds mit variablem Kapital veröffentlicht werden. Am gleichen Tage wird die große Staatsanleihe, nunmehr 2 Milliarden Francs – in 20 Jahren rückzahlbar – zur Zeichnung aufgelegt. Diese Emission wird mit 4,25 % verzinst und ist für natürliche Personen einkommensteuerfrei. Nach den ersten 10 Jahren wird der Zinssatz auf 4,75 % heraufgesetzt, aber die Steuerfreiheit fällt dann weg. Dieser Anleihe wird ein schneller und voller Erfolg beschieden sein. Ob die damit verbundene Abschöpfung von Kaufkraft, zusammen mit neuen Kreditbeschränkungen der Banken, sich als bedrohliche Einschränkung für die Finanzierungsfreiheit der Gesellschaften erweist, ist zur Zeit noch nicht eindeutig zu übersehen. Soweit die Industrie die Finanzierung ihrer für 1964 vorgesehenen Investitionen noch nicht sichergestellt hat, bleibt ihr immer noch die Möglichkeit, neue Aktien auszugeben.

Die Kapitalmärkte werden ausreichend leistungsfähig bleiben. Der Diskontsatz von 3,5 % wird nicht hinaufgesetzt. Im August sind die Gold- und Devisenreserven wieder um 75 Millionen Dollar gestiegen, die Einfuhr war zu 94 % durch Ausfuhren gedeckt und es darf als sehr wahrscheinlich bezeichnet v/erden, daß in den nächsten Monaten in der Waren- und Devisenbewegung kein Tendenzumschwung zum schlechteren eintreten wird. Die Zahlungsüberschüsse werden daher auch weiterhin liquidisierend wirken. Retlaw