HAMBURG (Galerie Commeter): „Schmidt-Rottluff“

25 Aquarelle aus den letzten Jahren. Es sind seine alten Motive, Stilleben, mit Masken und afrikanischen Statuetten, einige Landschaften, vor allem Blumen, und es ist bezeichnend, welche Blumen er wählt: Wetterdisteln, Rohrstengel, Artischocken, spitze, harte, kantige Gewächse – keine Nolde-Blumen. Es wäre abwegig, von Karl Schmidt-Rottluff, der im nächsten Jahr 80 wird, eine neue künstlerische Konzeption zu erwarten. Diese späten Aquarelle haben so viel Kraft und gelassene Sicherheit, daß sie sich neben den Arbeiten aus seiner großen Vergangenheit durchaus behaupten. Schmidt-Rottluff ist kein überalterter Expressionist. Der Verzicht auf das Hektische, Ekstatische, überschwengliche der „Brücke“-Zeit bedeutet die künstlerische Konsequenz aus einer biologischen Gesetzmäßigkeit. Altersstil heißt für ihn, die Dinge seiner Umwelt in ihrer Dinglichkeit und auch in dem, was sie ihm zeitlebens bedeutet haben, so einfach, so unkompliziert, so eindringlich, wie es ihm möglich ist, darzustellen. Die Ausstellung bei Commeter dauert bis Ende September.

BERLIN (Galerie Nierendorf): „Kirchner

Die Gedächtnisausstellung im 25. Todesjahr von Ernst Ludwig Kirchner läuft – nach der Sommerpause der Galerie – weiter bis zum 17. Oktober. Florian Karsch hat das Material aus dem Nachlaß ausgesucht, vieles war noch nicht ausgestellt, über 100 Arbeiten, aus den Jahren 1905 bis 1920, einige Ölbilder, in der Hauptsache Aquarelle und Zeichnungen, Darunter finden sich viele Studienblätter, rasche Variationen über das gleiche Thema, der Versuch, ein Gesicht, eine bestimmte Geste stenographisch zu erlassen. Mehr Werkstattproben als Ausstellungsstücke. Sie ergänzen Kirchners Bild aus der „Brücke“-Zeit, sie sind aufschlußreich für sein hektisches Temperament und für die künstlerische Aggressivität, mit der er den Gegenstand angeht. g. s.