Die private Krankenversicherung geht dazu über, ihre Tarife einem Kostenindex zu unterwerfen. Als erste der rund 80 privaten Krankenversicherungsgesellschaften hat kürzlich die größte ihrer Art, die Deutsche Krankenversicherungs AG (DKV), Köln, ein Tarifsystem vorgestellt, das „eine Anpassung des Versicherungsschutzes an die allgemeinen Behandlungskosten garantiert“. Dem Versicherten wird damit weitgehend die Sorge darum genommen, ob der einmal vereinbarte Versicherungsschutz im Zeitpunkt der Krankheit noch dem Stand der Behandlungskosten entspricht.

Es ist für Versicherte wie Versicherer in der Vergangenheit gleichermaßen ärgerlich gewesen, daß infolge der raschen Kostensteigerungen ständig Unterversicherungen drohten. Wenn die Pro-Kopf-Schäden im Bereich der privaten Krankenversicherung von 1955 auf 1962 um rund 80 % gestiegen sind, so heißt das zugleich, daß ein Tarif, der 1955 noch die Kosten deckte, heute vielleicht nur noch reichlich die Hälfte von dem abdeckt, was im Krankheitsfall tatsächlich an Kosten entstehen kann. Da die private Krankenversicherung, aber bei deswegen notwendig werdenden Zusatzversicherung oder Höherstufungen gehalten ist, jeweils das individuelle Risiko neu zu prüfen, sind bis heute Leistungsausschlüsse oder Zuschläge für alte Leiden, ebenso unvermeidliche wie häßliche Begleiterscheinungen des Anpassungsprozesses.

Indem die DKV nun diese Anpassung indiziert und damit für den gesamten Bestand generalisiert, kann sie auf Risikoprüfung verzichten – ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil für die Gesellschaft, aber auch ein schwerwiegendes Argument im Streitgespräch um die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.

Technisch wird die Anpassung so vor sich gehen, daß die Versicherung, gestützt auf das Beobachtungsmaterial ihrer 1,4 Millionen Versicherungsverträge, einen Index für die Kosten der ambulanten Behandlung entwickelt (1962 = 100) und, gestützt auf die offiziellen Veröffentlichungen der Länder (Krankenhauspflegesätze), einen weiteren für die stationäre Behandlung. Steigt dieser Index im Laufe des Beobachtungszeitraums (jeweils 1. 10. bis 30. 9. des folgenden Jahres) um 10 %, oder ein Vielfaches davon, so werden Prämien und Leistungen ab 1. Januar des Jahres um eben diese 10 % oder das Vielfache (20 % oder gar 30 %) angehoben. Umgekehrt ist für den Fall einer Kostensenkung auch eine entsprechende Reduzierung von Leistungen und Prämien im 10-Prozent-Rhythmus vorgesehen.

Die steigenden Einkommenserwartungen von Ärzten, Schwestern und anderen Bediensteten der Krankenhäuser sowie die höheren Kosten immer modernerer Behandlungsmethoden und medizinischer Geräte lassen sich ebenso wenig durch Rationalisierungen auffangen wie die Arbeitskosten anderer Dienstleistungsbereiche. Es ist deswegen nur natürlich, daß ein Versicherungszweig, der speziell gegen eben diese Kostendynamik versichern soll, auch seine Tarife dynamisiert. Hanns Meenzen