Ehe noch die 18. Sitzung der UN-Vollversammlung eröffnet wurde, auf der auch die südafrikanische Rassenpolitik erörtert und verurteilt werden soll, haben die 32 unabhängigen afrikanischen Staaten zur „Selbsthilfe“ gegriffen: Sie untersagten allen Luftfahrtgesellschaften, Passagiere und Waren durch ihr Gebiet von und nach Südafrika zu transportieren. Verboten ist es ihnen ebenso, auf afrikanischen Flugplätzen zwischenzulanden.

Dieser „Luft-Bann“, der von den 32 Außenministern während einer afrikanischen Gipfelkonferenz in Dakar beschlossen wurde und den jetzt Kenias Justizminister Tom Mboya bekanntgab, soll die Südafrikanische Republik isolieren. Offen ist es freilich, ob sich das auf diese Weise auch wirklich erreichen läßt. Die eine oder andere der neun internationalen Luftverkehrsgesellschaften – darunter auch die Lufthansa –, die von dem Boykott betroffen sind, wird vielleicht überprüfen müssen, ob sie nun ihre unrentablen Flüge nach Johannesburg doch einstellt. Die South African Airways selber, der schon zuvor die Landeerlaubnis auf afrikanischen Flugplätzen entzogen worden war, wird ihre Route entlang der Küste außerhalb der Drei-Meilen-Zone verlegen.

Der Bannspruch der Afrikaner, der schon während der Konferenz von Addis Abeba im Mai erwogen worden war, kam nun keineswegs aus heiterem Himmel. Nachdem bereits die Regierungen des Sudan und Libyens ihre Flugplätze für den südafrikanischen Transitverkehr gesperrt hatten, nachdem Indien und einige afrikanische Staaten ihre Häfen für südafrikanische Schiffe schlossen und sogar der UN-Sicherheitsrat ein Waffenembargo verhängte, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann auch den europäischen, und amerikanischen Fluggesellschaften die Afrika-Routen gesperrt wurden.

Den Anlaß dazu lieferte Verwoerd selbst. Um zu verhindern, daß politische Flüchtlinge aus den Südafrika benachbarten britischen Protektoraten Betschuanaland, Basutoland und Swaziland auf dem Luftwege nach Tanganyika gebracht würden, hatte er es den East African Airways untersagt, südafrikanisches Gebiet zu überfliegen. Im anderen Fall müßten die Maschinen landen, damit sie durchsucht werden könnten.

Aber damit nicht genug. Verwoerd forderte auch noch von den Engländern, die sich an den Sanktionen bisher nicht beteiligten, daß sie die drei britischen Protektoratsgebiete seiner Rassenpolitik anzuschließen. Dieser Vorschlag indessen stieß in London auf heftigen Widerspruch. Kurz darauf drohte der südafrikanische Außenminister Eric Louw in einer Rede vor dem Kongreß der Nationalpartei an: Den Engländern könnte das Recht abgesprochen werden, weiterhin die Marinebasis Simonstown am Kap der Guten Hoffnung zu benutzen. Zudem konnte der Goldexport für die Bank von England gestoppt werden.

Dies nun war nicht mehr als ein Schlag in Wasser. Der britische Verteidigungsminister ließ durchblicken, die Flottenbasis Simonstown habe keinen großen strategischen Wert mehr. Die Bank von England antwortete, aus Südafrika würden lediglich drei Prozent des Geldbedarfs importiert, zudem könnte dieser minimale Beitrag auch aus anderen Ländern eingeführt werden. D. St.